Moni Grasser | 16.07.2018

Der Zauber von 1001 Nacht: Kaffeesatz lesen in türkischem Mokka

kaffeesatz-lesen

Liebt er mich oder liebt er mich nicht? Bekomme ich in diesem Jahr die Beförderung, treffe ich im Urlaub einen geheimnisvollen Unbekannten? Einiges im Leben wäre leichter, wenn man einen Blick in die Zukunft werfen könnte. Deshalb ist das Wahrsagen eine heute noch verbreitete Tradition, die bis an den Anfang der menschlichen Kultur zurückgeht. Eine ganz besondere Form des Orakeldeutens: Kaffeesatz lesen!

Was ist "Kaffeesatz lesen"? 

Als "Kaffeesatz lesen" bezeichnet man die Praxis, aus den Überresten des getrunkenen Kaffees die Zukunft zu lesen. Diese Praktik hat seine Anfänge im Osmanischen Reich, ist also schon sehr alt. Im 17. und 18. Jahrhundert kam der Kaffee aus dem türkisch-arabischen Kulturraum dann nach Europa. Als besonderes, neues Getränk aus den Kolonien und der mystischen Welt des Orients gewann er schnell an Beliebtheit. Besonders die reiche Oberschicht schätzte ihn. Sonst konnte sich ohnehin kaum jemand die teuren Kaffeebohnen leisten. Kaffee entwickelte sich zum "In"-Getränk unter den Reichen und Schönen – und mit ihm die ganze orientalische Kultur. Man sah den Orient als eine fremde Welt voller Magie und Geheimnisse. So galt es zum Beispiel zeitweise auch als modisch und mondän, bunte Pluderhosen und Turbane zu tragen. Okkulte Traditionen, wie Kaffeesatz zu lesen, kamen im Zuge dieses Trends nach Europa.

Wie funktioniert Kaffeesatz lesen?

Was hat Kaffeesatz lesen mit türkischem Mokka zu tun?

 Alles! Zuerst mal kommt die Tradition des Kaffeesatzlesens aus dem Osmanischen Reich, also dem "Vorgänger" der heutigen Türkei. Der Kaffee, den man dort findet, unterscheidet sich von unserem Kaffee essenziell. Bei normalem Filterkaffee bleibt wenig Kaffeesatz in der Tasse, sodass es unsinnig wäre, ihn lesen zu wollen. Padmaschinen-Kaffee hinterlässt oft gar keinen Kaffeesatz. Um ein richtiges Kaffeeorakel befragen zu können, muss man sich einen türkischen Mokka zubereiten.
Türkischer Mokka kommt nicht aus der Kaffeemaschine. Zuerst braucht man gutes, starkes Mokka-Kaffeepulver. Das kocht man mit etwas Zucker und der gewünschten Menge Wasser direkt in der Kaffeekanne auf. Am Anfang gut umrühren! Türkische Kaffeekannen bestehen aus Metall, zum Beispiel Messing oder Kupfer. Sie haben einen langen Griff und sind oft mit Mustern im Metall verziert. Bereits dies erweckt das Gefühl, in einem fernen Land auf Abenteuerreise zu sein!
Sobald der Kaffee kocht, bildet sich Kaffee-Schaum. Man schöpft einen Teil dieses Schaums in die Kaffeetassen und nimmt die Kanne vom Herd, bis sich der Schaum gesetzt hat. Dann muss der Kaffee noch mal kochen – ab jetzt am besten nicht mehr umrühren, damit sich das Kaffeepulver in der Kanne absetzen kann. Anschließend in bunte, kleine Mokka-Gläschen füllen. Mokka ist dickflüssiger als Filterkaffee und hat eine einzigartige Note in Geschmack und Duft. Gewürze wie Kardamom oder Zimt geben dem Ganzen noch einen besonderen morgenländischen Touch und machen schon das Trinken zu einem orientalischen Erlebnis.

Dann: den Kaffeesatz lesen! 

Wichtig beim türkischen Mokka – den Kaffeesatz auf keinen Fall mittrinken! Der schmeckt nicht und außerdem brauchen wir ihn ja für unser Kaffeeorakel. Der Kaffeesatz bleibt also in der Tasse. Die Untertasse kommt auf den Tassenrand, man dreht beides zwei bis dreimal und lässt dann die Tasse umgedreht auf der Untertasse stehen. Der Tassenboden muss erkaltet sein, bevor man die Tasse wieder hebt. Um das zu beschleunigen – und, um das Böse fernzuhalten! – kann man einen kleinen Silberlöffel auf die Tasse legen.
Im Anschluss kann gedeutet werden, was auf Boden und Wänden der Kaffeetasse an Kaffeesatz zurückbleibt. Man sucht nach Symbolen, die erkennbar sind. Ähnlich wie beim Teeblätterlesen oder beim Bleigießen an Silvester. Bei der Deutung der Symbole sind Kreativität und Know-how gefragt. Man sollte sich vorher einen Deutungskatalog besorgen, an dem man sich orientieren kann, wenn man keine Vorerfahrung im Deuten von Symbolen hat. Die Bedeutungen der Symbole unterscheiden sich je nach Kultur und Tradition. Es gibt aber häufige Ähnlichkeiten: Der Apfel steht oft für eine lockende Versuchung, wie der Apfel, mit dem Eva Adam in der Bibel verführt. Ein Vogel bedeutet Freiheit oder neue Nachrichten, ein Herz steht für Liebe.
Je nach gewünschtem Grad an Mystik gibt es viele Rituale, die beim Kaffeesatzlesen bedeutsam sind. Manche sagen, man muss den Mokka dreimal umrühren, bevor man ihn trinkt. Außerdem sollte der Deutende das Licht im Rücken haben, wenn er den Kaffeesatz liest, und man muss eine Sure aus dem Koran davor sprechen. Auch Fragen kann man dem Orakel stellen, bevor man die Tasse hebt, oder Wünsche äußern.

Wo kann man Kaffeesatz lesen lassen?

Wem das Mokka-Kochen zu kompliziert ist oder wer niemanden mit Wahrsager-Talent im Bekanntenkreis hat, der kann sich professionell aus dem Kaffeesatz lesen lassen. Auf manchen Volksfesten findet man Orakel und Wahrsagerinnen, Kaffeesatz lesen wird dort aber selten angeboten, da aufwendig und zeitintensiv. Es gibt einige Online-Anbieter für Kaffeeorakel. Hier muss man sich aber vor Trickbetrügern in Acht nehmen!
Am authentischsten ist wohl die Großmutter des türkischen Bekannten aus dem Haus nebenan, die das Kaffeesatz-Lesen noch von ihrer Mutter und Großmutter erlernt hat. Wer also die wirkliche, richtige Kunst des Kaffeesatz-Lesens erfahren möchte, muss sich an jemanden wenden, der diese Kunst mit der Muttermilch aufgesogen hat.

Fazit

Ob man an Wahrsagerei glaubt oder nicht – Kaffeesatz zu lesen ist etwas ganz Besonderes. Das leise Blubbern des Mokkas in der türkischen Kaffeekanne mit den filigranen Mustern, die auf dem Herd steht ... Der intensive Kaffeegeruch, der sich in der Küche ausbreitet … Der süßliche Geschmack des ungewohnt dickflüssigen Kaffees aus kleinen Mokka-Tässchen ... Und dann: intensives Starren auf den Kaffeesatz bei Kerzenschein! Man fühlt sich wie bei 1001 Nacht, zurückversetzt in vergangene, magischere Zeiten. Zeiten, in denen die Zukunft noch in der Kaffeetasse stand, und nicht in der Wetter-App des Smartphones. Wer da keine Gänsehaut bekommt!
Wem das aber alles zu viel Brimborium ist und wer sich den Aufwand des Mokka-Kochens nicht machen möchte, der kann natürlich seinen Kaffee weiterhin ganz normal genießen. Aus dem Vollautomaten oder der Espressomaschine, mit gutem Milchschaum obendrauf. Man munkelt ja, auch im Milchschaum hätte manch einer schon seine Zukunft gesehen… Die richtigen Kaffeebohnen für Ihren Kaffee finden Sie auf jeden Fall bei uns im Martermühle-Online-Shop.

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