Moni Grasser | 31.05.2018

Europas traditionellste Kaffeehäuser und deren Geschichte

kaffeehaus

Ausgelassen mit der besten Freundin plaudern, beim Sightseeing eine Pause einlegen oder auf die Bahn warten …? Ab ins nächste Café auf einen Cappuccino! Was nach einer Bagatelle klingt, ist tatsächlich eine bewährte Tradition, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Die ältesten und traditionellsten Cafés in Europa stellen wir Ihnen hier vor!

Die Kaffeehauskultur

Kaffeehauskultur, wie wir sie heute verstehen, kommt aus Österreich. Genauer gesagt: aus Wien. Legenden zufolge fanden die Wiener nach der Belagerung der Stadt durch die Türken 1683 einige Säcke mit Kaffeebohnen, aus denen sie den ersten Kaffee brühten.

Die ersten Wiener Kaffeehäuser sind tatsächlich nach dem Krieg gegen das Osmanische Reich entstanden. Sie fanden bei den Wienern großen Anklang, um 1900 soll es über 600 Kaffeehäuser in Wien gegeben haben. Diese Zeit gilt als die Blütezeit der Kaffeehauskultur. Das Kaffeehaus war Treffpunkt für Privates und Geschäftliches. Wissenschaftler und Künstler verbrachten ihre Tage (und Nächte) hier, diskutierten und arbeiteten. In gemütlicher Atmosphäre konnten sie sich vom Personal mit Speisen und Getränken verwöhnen lassen. In ganz Europa entwickelten sich ähnliche Kaffeehäuser.

Damals war es völlig in Ordnung, im Kaffeehaus nur einen Kaffee zu bestellen und stundenlang damit sitzen zu bleiben. Besonders Schriftsteller nutzten diese Stunden, um ihrer Arbeit nachzugehen. So z. B. Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal. Die schriftstellerischen Werke aus der Blütezeit der Wiener Kaffeehäuser nennt man deshalb heute: Kaffeehausliteratur. Noch Joanne K. Rowling soll ihr Hauptwerk "Harry Potter" im Café geschrieben haben.

In den 1950er Jahren verschwanden viele der Kaffeehäuser - das sogenannte Kaffeehaussterben. Schuld war eine neue Mode der Freizeitgestaltung, unter anderem durch das Fernsehen. Seit den 90ern interessieren sich wieder mehr Leute für Kaffeehäuser. Das sieht man an der Masse an Coffeeshops, die an jeder Straßenecke auffindbar sind.

Kaffeehäuser in ganz Europa

Das Kaffeehaus in Österreich: Café Sperl

ines der ältesten noch bestehenden Kaffeehäuser in Wien ist das Café Sperl. Die Familie Sperl übernahm das Café in seinem Baujahr 1880, führte es jedoch nur vier Jahre lang. 1884 ging es an Adolf Kratochwilla - der den Namen "Sperl" nicht änderte, weil er bereits stadtbekannt war.

In dieser Blütezeit der Kaffeehauskultur waren besonders Künstler und hohe Militärs häufige und gern gesehene Gäste im Sperl, darunter Vertreter des österreichischen Adels. Künstler und Militär - was für ein Widerspruch! Aber im Café Sperl fristeten sie ein friedliches Miteinander.

Die Zeiten waren nicht immer so rosig wie in diesen Jahren. Im "Katastrophenwinter" von 1929 musste das Café Sperl nicht als einziges Kaffeehaus in Wien schließen. Im Zweiten Weltkrieg gab es starke Kürzungen der Lebensmittelrationen, ab 1942 servierte man im Sperl nur noch Ersatzkaffee und keine Speisen mehr.

Das Kaffeehaus Sperl übersteht den Krieg, wechselt 1968 erneut den Besitzer und erhält in den 80er Jahren eine umfassende Sanierung. Der neue Besitzer Manfred Staub arbeitete mit dem Bundesdenkmalamt zusammen, um das Café historisch korrekt zu restaurieren. Auch deshalb ist das Café Sperl heute so eine Augenweide. Die Kaffeehaus-Besucher schätzen neben dem Kaffee die angebotenen Kuchen, Torten und traditionell österreichischen Mehlspeisen im historischen Ambiente. Und nach wie vor verkehren dort Literaten und Musiker, es gibt Lesungen und Konzerte.

1998 erhält das Café Sperl den Titel "Coffee of the Year" Austria. Nur eine der Auszeichnungen, mit der sich das Traditions-Kaffeehaus rühmen kann.

Das Kaffeehaus in Italien: Caffè Florian

Italien gilt heute als das Land des Kaffees. Nicht umsonst sind "Cappuccino" und "Latte Macchiato" italienische Wörter. Passenderweise steht eines der ältesten noch bestehenden Kaffeehäuser in Italien. Genauer: in Venedig!

Der Venezianer Floriano Francesconi gründete das Caffè Florian am 19.12.1720. Der ursprüngliche Name war "Alla Venezia Tronfante" - "zum triumphreichen Venedig". Zum Triumph des Kaffeehausgründers setzte sich aber der Name Caffè Florian durch.

Das Caffè Florian liegt direkt am berühmten Markusplatz und beobachtete so als Augenzeuge die Blütezeit und den Untergang der Republik Venedig. Im 18. Jahrhundert ließ es als einziges Kaffeehaus in Venedig Frauen zu. Es heißt, Casanova hätte es deshalb zu seinem Stammlokal erwählt. Noch viele weitere Persönlichkeiten von Rang und Namen logierten in dem berühmten Kaffeehaus: Lord Byron, Charles Dickens, Alexandre Dumas Senior. Andy Warhol, Helmut Kohl, Clark Gable, Jacques Chirac. Die Liste ist lang und durchzieht alle Jahrzehnte seit der Gründung des Kaffeehauses.

Das Caffè Florian ist viel mehr als nur ein weiteres der vielen Cafés in Venedig. Das Interieur stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Dekoration ist so goldüberladen und dekadent, dass sich der Besucher in die Blütezeit Venedigs zurückversetzt fühlt, in der das Caffè Florian seinen Anfang nahm. Seit dem frühen 20. Jahrhundert gibt man hier Konzerte und zeitgenössische Kunstausstellungen. Obendrein kann der Besucher noch die Delikatessen des Hauses genießen, die geschickt Tradition und Modernität verbinden. Kaffee, Schokolade, Tees, Kleingebäck … Ein Muss bei jedem Venedigbesuch!

Das Kaffeehaus in Frankreich: das Café Procope

Das Café Procope in Paris behauptet von sich, noch älter als das Caffè Florian zu sein. Gegründet hat es 1686 auch ein Italiener in der Nähe des Boulevard Saint-Germain, mitten im Quartier Latin. Es gilt als erstes Kaffeehaus in Paris.

Das Café Procope verdankt seine Berühmt- und Beliebtheit der Bewegung der Aufklärung. In der Zeit seiner Gründung im späten 17. Jahrhundert befand sich die Aufklärung in vollem Gange. Große Philosophen, Schriftsteller und Wissenschaftler der Aufklärung, aber auch andere große Namen des 17. und 18. Jahrhunderts nutzten das Café Procope als Treffpunkt: Diderot und Voltaire, Benjamin Franklin, Thomas Jefferson. Sogar Napoleon! Einmal soll er seinen Kaffee mit seinem Hut bezahlt haben.

Nach der Französischen Revolution und im 19. Jahrhundert nahm die Bedeutung des Café Prokope ab. Es wurde erst zu einer Kneipe umgebaut, heute ist das Kaffeehaus ein Spezialitätenrestaurant. Ebenso wie das Café Sperl versuchten die Inhaber vor einigen Jahren, dem Café Procope sein historisches Aussehen zurückzugeben. Bei einer Restaurierung 1988 gab man sich Mühe, den Stil des glorreichen 18. Jahrhunderts wiederherzustellen. Beeindruckende Kristallleuchter hängen jetzt von der Decke, die Wände sind karmesinrot und das Mobiliar ist aus dunklem, alten Holz. So bewahrt man das Ambiente der vergangenen Jahrhunderte.

Das Kaffeehaus in Deutschland: Zum Arabischen Coffe Baum 

Was Kaffee angeht, war der deutschsprachige Raum eher ein Spätzünder. Das traditionellste Kaffeehaus stammt trotzdem schon aus dem frühen 18. Jahrhundert: Der "Coffe Baum" in Leipzig.

Die erste Wirtin des Coffe Baum hieß Johanna Lehmann. Legenden zufolge hatte sie eine Affäre mit dem Kurfürsten, der ihr die berühmte Plastik über dem Hauseingang geschenkt haben soll. Sie zeigt einen "Türken", also einen arabisch aussehenden Mann neben einem kleinen Amor.

Der Arabische Coffe Baum war nie nur ein reines Café. Schon Johanna Lehmann servierte neben Kaffee Likör und Bier, ab dem 19. Jahrhundert bot man Essen an. Heute befindet sich in dem Gebäude noch ein Kaffeemuseum. Was berühmte Besucher angeht, muss sich der Coffe Baum nicht verstecken: Goethe, Lessing, Richard Wagner, Napoleon sind hier zu Gast gewesen. Robert Schumann hielt sogar seinen Stammtisch hier ab.
 

Fazit: Kaffeehaustradition in Europa 

Neben allem, was Europa ausmacht, hat unsere Geschichte und Kultur die ganze Welt geprägt. Auch unsere Kaffeehauskultur. Also, wenn Sie auf dem Weg in den Urlaub mal an Venedig vorbeikommen, oder Leipzig, oder Wien: machen Sie eine Pause und trinken Sie einen Kaffee an den Orten, wo so viele Menschen seit so langer Zeit ihren Kaffee trinken gehen. So werden Sie ein Teil der Geschichte dieser besonderen Orte.

Wer so lange nicht warten will, kann sich zu Hause aufs Sofa setzen und mit einer Tasse Kaffee die Kultur der Kaffeehäuser hochleben lassen. Die passenden Kaffeebohnen finden Sie z. B. im Martermühle-Online-Shop.

 

 

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