Frauenkaffee aus Guatemala Lampocoy

In dem kleinen Dorf Lampocoy in Guatemala schlossen sich 57 Frauen zusammen, um Kaffee zu produzieren. Und zwar unabhängig von ihren Männern. Sie versuchen, sich damit aus den traditionellen Strukturen ihres Landes zu befreien. In Mittelamerika herrschen im Normalfall die Männer. Sie entrechten und erniedrigen ihre Frauen, oft kommt es zu häuslicher Gewalt. Die Männer bestimmen über Geld und geben es aus, ohne ihre Frauen zu fragen. Damit nehmen sie ihnen jede Möglichkeit zur Selbstbestimmung.

Dona Carmelina ist eine starke Frau. Sie hat ein Stück Land geerbt, genauer gesagt, eine kleine Kaffeeplantage. Als ihr Mann sie mit 6 Kindern sitzenließ, musste sie alleine über die Runden kommen. 6 Kinder zu versorgen ist nicht einfach. Überall auf der Welt und insbesondere in den ärmeren Ländern. In Mittelamerika gibt es viel Armut und vor allem Frauen sind betroffen. Dona Carmelina hatte Glück und traute sich. Durch ihren eigenen Grund und Boden und ihren Mut beweist sie, dass Frauen einen hervorragenden Kaffee produzieren können.

Kaffeeproduktion in Frauenhand

Für die Frauen in Guatemala ist der Kaffeeanbau nichts Neues. Sie übernehmen zu einem Großteil die Aussaat, das Aufziehen und die Ernte der Kaffeepflanzen. Auch Schälen, Waschen und Auslesen der Bohnen übernehmen hauptsächlich Frauen. Das heißt, sie kennen sich aus und wissen seit langem, wie es geht. Oft sorgen sie sich, denn sie wissen mehr über Kaffee als die Männer. Aber die Männer entscheiden und sagen oft „Nein“ zu den Vorschlägen ihrer Frauen.

Nach der anstrengenden Feldarbeit wartet auf die Frauen der Haushalt und die Betreuung der Großfamilie. Sie arbeiten regelmäßig bis zu 16 Stunden am Tag. Männliche Kollegen kommen durchschnittlich auf einen 8-stündigen Arbeitstag. Der Zugang zu den Erlösen aus dem Kaffeeverkauf bleibt den Frauen trotzem verwehrt. Nur wenige Prozent der landwirtschaftlichen Anbaufläche befinden sich im Besitz von Frauen. Somit sind sie rechtlich nicht abgesichert und weiterhin abhängig von ihren Männern.

Frauenkaffee bedeutet Selbstständigkeit und Unabhängigkeit

Mit dem „Kaffee der Frauen“ soll die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen im Kaffeesektor gestärkt werden. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, selber zu entscheiden und ihr eigenes Geld zu verdienen. Das Kaffeeprojekt Lampocoy kauft den Kaffee und vertreibt ihn zum Beispiel an uns, die Kaffeerösterei Martermühle. Noch ist er nicht bei uns eingetroffen, aber bald geht es los! So tragen wir dazu bei, das Frauenprojekt zu fördern. Bzw. Sie tragen dazu bei, wenn Sie den Kaffee kaufen. Das geht bei uns in der Rösterei oder kaufen Sie den Kaffee online in unserem Shop.

Die Vermarktung von Kaffee sichert das Einkommen der Kaffee-Bäuerinnen und unterstützt sie auf ihrem Weg zur Gleichberechtigung. Auf die Frage, ob das Projekt Zukunft hat, antwortet Dona Carmelina mit Zuversicht. Ihre Töchter können sich nicht mehr vorstellen, von Männern abhängig zu sein. „Wir arbeiten schon immer nur mit Frauen zusammen, das klappt hervorragend“, sagt die älteste Tochter. Wenn Sie mehr über das Kaffeeprojekt in Lampocoy erfahren möchten, hier ist ein Film dazu.

Ein Qualitätskaffee erster Güte

Die Frauen von Lampocoy produzieren einen exzellenten Gourmet-Kaffee. Orignial heißt der Kaffee "Café de Mujeres", was Kaffee der Frauen bedeutet. Der Kaffee überzeugt mit allerhöchster Qualität, mit einem Aroma von Schokolade und Karamell. „Ein Kaffee aus Frauenhand!“ Ist das nicht eine tolle Idee? „Fairness, Transparenz und die Teilhabe der Frauen an der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben“, sagt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES.

Dass fairer Kaffee nicht nur schmeckt, sondern auch eine wichtige Botschaft vermittelt, ist heutzutage nichts Neues. Wenn ihn aber zu 100 % Frauen produzieren, dann ist das definitiv etwas Neues. Nach der Ernte verlesen die Frauen ihren Kaffee mehrfach von Hand. Nur die besten Arabica-Bohnen gelangen in den Export. Die sorgfältige Aufzucht geschieht in einem Gebiet, das hervorragend für den Kaffeeanbau geeignet ist. Das Mikroklima von Lampocoy und die fruchtbare Vulkanerde bringen eine ausgesprochen gute Qualität hervor.

Fairer Kaffee stärkt Frauenrechte und Nachhaltigkeit

Milvia Aracely Piñeda Cabrera ist die Frau von Dethlev Cordts und unsere Kaffee-Expertin vor Ort. Dethlev hält den Kontakt zu uns, denn er spricht deutsch und kennt den deutschen Kaffeemarkt. Er lernte Milva bei einem Aufenthalt in Guatemala kennen. Milvia stammt aus einer Familie von kleinen Kaffeebauern aus dem Hochland Guatemalas. Sie kontrolliert die Kaffeeproduktion in Lampocoy und koordiniert das Frauenprojekt. Durch ihre Kompetenz und Erfahrung trauen sich die Frauen in Lampocoy, den Frauenkaffee anzubauen.

Noch eine Notiz am Rande: Jedes Jahr nimmt der Fiskus gut eine Milliarde Euro an Kaffeesteuer ein. (Pro Kilo Kaffee 2,19 Euro Röststeuer! Wussten Sie das?) Jetzt plant Entwicklungsminister Müller eine Ausnahme für fair gehandelten Kaffee. Das ist ein guter Ansatz. Der Anteil von fair gehandeltem Kaffee liegt zurzeit bei nur 15 Prozent", beklagt Müller. Das Problem bei diesem Vorhaben ist, dass nur offiziell zertifizerte Kaffees von der Steuer befreit werden sollen.

Gibt es Steuervergünstigungen für fairen Kaffee?

Kleinere Plantagen wie zum Beispiel Lampocoy hätten dann das Nachsehen. Fairer und transparenter zu sein als der Kaffee aus Lampocoy geht nicht. Auch der neue Frauenkaffee ist in dieser Hinsicht vorbildlich. Wir waren vor Ort auf der Plantage und verschafften uns einen Überblick über alle Bedingungen. Ein langjähriger und regelmäßiger Kontakt fördert den Austausch und die Zusammenarbeit mit den Kaffeebauern.

Die Plantage Lampocoy verfügt über keine „Fairtrage“-Zertifizierung. Was bedeutet das? Wir gehen einen Schritt weiter und verlassen uns nicht auf Organisationen. Wir kennen und verhandeln mit den Bauern direkt. Das ist unser Ansatz. Bleibt zu hoffen, dass der Steuererlass sich nicht nur auf die Fairtrade-Zertifierung verlässt, sondern alle fair gehandelten Kaffees begünstigt. Ich befürchte, Kontrolle, Organisation und Arbeitsaufwand wären hierfür zu groß ... Was denken Sie darüber? Wir sind gespannt!