Gefahren beim Kaffeeanbau: Umweltfaktoren, die den Anbau von Kaffee beeinflussen

Können Sie sich ein Leben ohne Kaffee vorstellen? Was wäre, wenn die gesamte Kaffee-Ernte durch einen mächtigen Feind zerstört würde? Der sogenannte Kaffeerost bedroht den weltweiten Kaffeeanbau. Er könnte den Kaffeekonsum empfindlich stören und Kaffee wieder zum Luxusgut machen.

Premium-Kaffee ist wie guter Wein. Jede einzelne Kaffeekirsche gedeiht nur so gut, wie ihre Anbaubedingungen es ihr ermöglichen. Der Boden, der Standort, das Klima und die Anbaumethoden: All das sind wichtige Voraussetzungen, um Rohkaffee erster Güte zu produzieren. Und nur mit ihm erleben wir den perfekten Kaffeegenuss.

Die sensible Arabica-Kaffeepflanze wächst nur unter gewissen klimatischen Bedingungen. Temperaturen in unseren Breitengraden sind ihr viel zu kalt, die Äquatornähe ist ihr lieber. Hitze oder Frost machen dem anspruchsvollen Pflänzchen zu schaffen. Gegen zu viel Sonne pflanzen die Kaffeebauern Schattenpflanzen. Sie achten auf regelmäßige Wässerung und kümmern sich tagein, tagaus um ihre Pflanzen.

Was bedeutet der Ausdruck „Kaffeerost“?

Trotz aller Sorgfalt sind die Kaffeebauern gegen manche Probleme machtlos. Wenn der Kaffeerost die Plantage befällt, bedeutet das eine große Gefahr für den Kaffeeanbau. Als Kaffeerost bezeichnet man den Pilz „Hemileia vastatrix“. Er hat das Potenzial, ganze Kaffeeplantagen zu befallen und damit die gesamte Ernte zu zerstören. Seit Jahrhunderten stellt Kaffeerost eine Herausforderung für die Bauern dar.

Befällt dieser Pilz eine Pflanze, löst er die gleichnamige Erkrankung aus. Diese erinnert optisch an Rost und gibt dem Pilz seinen Namen. Wirtspflanzen des Kaffeerosts sind die Arabica- und die seltene Liberica-Kaffeepflanze. Nur wenige Rostrassen befallen die Robusta-Pflanze, die wie ihr Name verrät, viel robuster ist. Ihr genetisches Material nimmt man daher für die Resistenzzüchtung. Man kann den Pilz anhand seiner Sporen eindeutig identifizieren.

Er überlebt ohne Probleme längere Trockenzeiten und verbreitet sich zu Beginn der Regenzeit rasch, teilweise epidemieartig aus. Auch Insekten übertragen die Sporen, die sich schnell auf sehr junge und ältere Blätter ausbreiten. Der Pilz gedeiht am besten bei Temperaturen, die auch die Kaffeepflanzen lieben. Die Sporen sind 2–15 Tage lebensfähig und die befallenen Samen transportieren sie ohne größere Probleme über weite Strecken.

Wirtschaftliche Bedeutung

Kaffeerost entdeckte man zuerst in Zentral- und Ostafrika. Seit 1868 kennt man ihn in Afrika, Asien und Australien. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts fürchten die Kaffeebauern ihn in Puerto Rico. Bekannt und furchterregend wurde der Pilz 1970, als die Pilzerkrankung brasilianische Kaffeeplantagen befiel. Der Kaffeeanbau von Brasilien über Kolumbien nach Mittelamerika erlitt wirtschaftlich sehr große Schäden.

Der Pilz führte uns damals deutlich vor Augen, welches Desaster er anrichten könnte. Spätestens seit dieser Zeit versuchen Wissenschaftler, etwas gegen den Kaffeerost zu unternehmen. Es ist äußerst gewagt, erst auf den Pilz zu reagieren, wenn er bereits wütet. Dann ist es eigentlich zu spät. Ein Spritzen der Pflanzen mit Fungiziden ist ebenso unbefriedigend. Wir möchten alle keinen gespritzten Kaffee trinken. Deshalb investiert man heute kräftig in die Prävention.

Vom Kaffee- zum Teeanbau

Kaffeerost führte 1870 in Indien, den Philippinen und Ceylon (dem heutigen Sri Lanka) zu einem Totalverlust der Kaffee-Ernten. Das traf den Kaffeeanbau empfindlich. Die Länder entschlossen sich deshalb dazu, mehr Tee anzubauen. Früher galt Ceylon als einer der größten Kaffee-Exporteure der Welt. Innerhalb von 25 Jahren zerstörte der Kaffeerost Hunderttausende von Hektar Kaffeepflanzen. Die Angst vor einem erneuten Totalausfall ließ den Kaffeeanbau deutlich schrumpfen und heutzutage gibt es dort nur noch einen deutlich geringeren Anteil von Kaffeeplantagen.

Wie kann der Kaffeeanbau dem Kaffeerost vorbeugen?

Auf meiner Rundreise in Guatemala kamen wir an vielen Kaffeefeldern vorbei, wo die Kaffeepflanzen als solches nicht mehr zu erkennen waren. Das Schadbild zeigte braune, welke Blätter (bzw. gar keine Blätter mehr) an den Sträuchern und somit keine Früchte. Wir sahen deshalb keine Erntehelfer auf den Feldern, hier gab es nichts zu ernten!

Auf einer Bio-Plantage zeigte man uns dann die modernere und gleichzeitig schonendere Anbauweise. Die Kaffeebauern setzen ihre Pflanzen weiter auseinander als üblich und vermeiden so das leichte Überspringen der Pilzsporen. Stellen Sie sich den Gang zwischen den Reihen von Kaffeepflanzen breiter vor als üblich. Den Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen wählen die Bauern bewusst größer als bei herkömmlichen Pflanzungen.

Eine Mischkultur mit Bananen, Bohnen u.ä. ist aus dem gleichen Grunde sinnvoll. Der Pilz mag keine Bananen und Bohnen, in ihnen findet er keinen Wirt. Deshalb breitet er sich nicht so leicht weiter aus. Zusätzlich erhält man mit einer Mischkultur einen fruchtbaren Boden. Die abgestorbenen Pflanzenteile nutzen die Bauern gleich als organischen Dünger.

Kaffeeanbau als Gegenstand der Forschung

Die Gefahr der Sporenübertragung ist bei dieser Art des Kaffeeanbaus zwar geringer, aber ausschließen kann man die Verbreitung des Pilzes nicht. Aus diesem Grund sucht man überall auf der Welt nach resistenteren Kaffeepflanzen. Die Robusta ist zwar nicht so empfindlich, anderenfalls nicht so edel und beliebt. Die Lösung, statt exklusiver Pflanzen auf Robustheit zu setzen, befriedigt unseren Kaffeegeschmack nicht.

Man versucht in verschiedene Studien und Varianten, resistentere Arten zu züchten. Kolumbianische Wissenschaftler nahmen in einem Labor hoch in den Bergen des Kaffeeanbaus den Kampf gegen die Pilzerkrankung auf. Das Forschungslabor heißt Cenicafé und versucht seit den 60er Jahren, den guten Geschmack der Arabica-Pflanze mit der Widerstandskraft der Robusta zu vereinen. Das gelingt nicht durch einfache Kreuzung, sondern die Wissenschaftler müssen sich der Genetik bedienen.

Was tun gegen Rostpilz?

Durch Zufall entdeckte man in Timor einen Hybriden zwischen Arabica und Robusta. Auf dieser kleinen Insel im Indischen Ozean zwischen Australien und Indonesien erntet man den Hybriden seit 1940. Das Besondere an ihm: Kaffeezüchter können den Hybriden mit Arabica-Planzen kreuzen. Der Hybrid gibt seine Rostresistenz an die kommende Generation weiter.

Die Herausforderung besteht darin, eine wohlschmeckende Sorte mit exklusivem Geschmack, hoher Ertragsfähigkeit und Robustheit zu züchten. Das ist das Ziel vieler Forscher auf dem Kaffeegebiet. Nicht nur der Rost birgt eine Gefahr, sondern verschiedene Umweltgefahren. Die kommende Klimaerwärmung bereitet den Kaffee-Experten ebenso große Sorge. Sie vermuten, dass Pilze die Pflanzen dann noch schneller infizieren.

Wissenschaftler sehen die Vergrößerung des Genpools als wichtiges Ziel an. Falls ein Gen im Kampf gegen die Krankheit unterliegen sollte, gibt es dann noch viele andere, die weiterhin Widerstand leisten. Als Beispiel sei hier die Banane genannt. Fast alle Sorten, die heute auf den Markt kommen, stammen von einer Pflanze ab. Wenn ein Krankheit diese besiegen sollte, steht das Aussterben der Banane auf dem Spiel.

Wie sieht die Zukunft des Kaffeekaufens aus?

Anhand des Pilz-Beispiels erkennen wir, wie schnell sich unser alltäglicher Kaffeekonsum ändern könnte. Bleiben nur noch wenige Kaffeeplantagen übrig, steigt der Preis ins Unermessliche. Kaffee könnte schnell zum Luxusgut avancieren. Ein weiterer wunder Punkt wäre der unvermeidbare Qualitätsverlust. Wenn nur die robusten Pflanzen überleben, gibt es keine edlen Spezialitätenpflanzen mehr.

Damit das nicht geschieht, forschen Wissenschaftler nach Alternativen. Eine größere Artenvielfalt, Robustheit und trotzdem eine exklusive Qualität: Das ist das erklärte Ziel. Damit wir alle genau den Kaffee kaufen können, den wir uns wünschen! Haben Sie Ihren Lieblingskaffee schon gefunden? Ansonsten schauen Sie doch gleich auf unsere Seite: www.martermuehle.de

Themen: Kaffeebohnen