Genau hingeschaut: Der Unterschied zwischen Premium-Kaffee und Discounter-Ware

Es gibt immer mehr kleine Kaffeeröstereien in Deutschland. Schmeckt der Kaffee aus diesen Manufakturen tatsächlich besser als die bekannten Industriesorten?

Kaffee ist viel mehr als ein Getränk. Er ist der Treibstoff der Leistungsgesellschaft. Kaffee macht wach, und er macht glücklich. Drei Viertel der Deutschen trinken ihn, im Schnitt konsumiert jeder 6,4 Kilogramm Rohkaffee im Jahr. Während bekannte Klassiker nach wie vor die Supermarktregale dominieren, eröffnen seit einigen Jahren überall im Land inhabergeführte Privatröstereien, die Kaffee behandeln wie edlen Wein.

Wir haben Kaffees von Privatröstereien den Industriesorten gegenübergestellt. Eines war schnell klar: Der Unterschied zwischen Premium-Kaffee und Discounter-Qualität ist enorm. Nicht nur geschmacklich.

Experten raten zu handgemahlenem Kaffee

Günstige Kaffees werden zumeist nur sehr kurz geröstet; das gibt oft eine bittere Note. Doch auch die Kaffeebohne selbst ist für den finalen Geschmack entscheidend.

Durch „Cupping“, bei dem Kaffee-Experten einer Weinverkostung nicht unähnlich verschiedene Kaffeesorten probieren und dann wieder ausspucken können diese Unterschiede festgestellt werden. Und die sind bisweilen enorm. Vom Säuregrad abgesehen umfasst dies auch die Schoko-Note, Fruchtigkeit und Gesamtkomposition.

Blind Cupping – Ihr Kaffeetest zu Hause

Ein Tipp, falls Sie zu Hause ein Cupping nachahmen wollen: Am meisten Spaß macht ein „blind Cupping“. Das bedeutet nicht, dass Sie mit verbundenen Augen die Kaffeesorte erraten sollen. Ordnen Sie den unterschiedlichen Kaffees anonyme Nummern zu, und erst im Nachhinein lösen Sie auf, welche Kaffees dahinterstehen. Auf diese Weise bewertet man die Kaffeesorten nämlich am objektivsten.

Für das „blind Cupping“ geben Sie die Kaffeebohnen in eine Tasse. Erst zum Betrachten - dann gemahlen zum Riechen. Notieren Sie sich Ihre Eindrücke. Gießen Sie anschließend den gemahlenen Kaffee mit heißem Wasser auf und schlürfen Sie ihn vom Löffel. Sie werden überrascht sein, wie groß die Unterschiede zwischen den Kaffeesorten sind.

Doch warum gibt es geschmacklich diese Unterschiede?

Arabica oder Robusta: Die Bohne ist entscheidend!

Kaffee stammt aus der Familie der Rubiaceae. Arabica-Kaffee wird zu 70 Prozent angebaut und Robusta-Kaffee zu 30 Prozent.

  • Die Arabica-Pflanze hat ihren Ursprung in den äthiopischen Hochebenen 1.000 bis 3.000 Meter Höhe. Sie zeichnet sich durch verschiedene Aromen von Nuss, Zitrusfrüchten und Schokolade aus, mit einem Koffeingehalt von etwa 1,5%.
  • Die Robusta-Pflanze hingegen stammt aus West- und Zentralafrika und wächst typischerweise im Flachland unterhalb von 1.000 Metern. Mit 2,7% Koffeingehalt ist sie die deutlich stärkere der beiden Bohnen. Auch vom Geschmack her ist die dementsprechend kräftiger, wird oft als bitter, erdig or nach Tof schmeckend beschrieben.


Der Beliebte – Arabica-Kaffee

Im Durchschnitt erfreut sich die Arabica-Bohne einer größeren Beliebtheit als die Robusta, aufgrund ihres aromatischeren, nicht so bitteren Geschmacks.

Auf Discounter-Packungen für 1,99 Euro prangt zuweilen das Etikett „100% Arabica“. Alleine hat diese Bezeichnung wenig Aussagekraft. Entscheidend für die Qualität des Kaffees ist die Röstung und das Ursprungsland, aus dem die Arabica-Bohne kommt. Je genauer die Packung diese Angaben ausweist, desto vertrauenswürdiger ist die Rösterei.

Wer beim Kauf von Kaffee jedoch nur auf den „100% Arabica“-Aufdruck achtet, schränkt sich unnötig ein. Schlimmer noch, er droht tolle Kaffeeerlebnisse zu verpassen.

Die Mischung macht´s

Packungen mit sortenreinen Robusta-Bohnen stehen eher selten im Regal. Stattdessen setzen Röster auf sogenannte Blends. Sie mischen Robusta-Bohnen mit Arabica-Bohnen. So können sich in einer Tüte zum Beispiel Arabica-Bohnen aus Brasilien und Indien mit Robusta-Bohnen aus Vietnam befinden.

Dabei müssen verschiedene Bohnen nicht den Kaffee verderben. In ausgewogenen Blends sorgen sie für faszinierende Balance unterschiedlicher Aromen. Die Bestandteile des Blends sollten transparent sein.

Es lohnt sich darauf zu achten, dass auf der Packung klar ausgewiesen ist, welche Bohnen verwendet wurden. Anderenfalls besteht zumindest der Verdacht, dass der Hersteller die Bezeichnung nutzt, um minderwertige Bohnen unterzumischen.

Die Industrieröstung – sag leise Servus zum Aroma

Wer massenweise Kaffeebohnen verkaufen will, muss sie massenweise verarbeiten. Dabei greifen manche Industrieunternehmen auf Methoden zurück, die den späteren Genuss mindern. Der Geschmack und das Aroma von Discounter-Markenkaffees leiden darunter erheblich.

Um beim Rösten Zeit zu sparen, werden bei der Industrieröstung die grünen Bohnen in riesige Tanks geschüttet. Bei der sogenannten Heißluftröstung steigen die Temperaturen auf bis zu 600 Grad und ein Röstdurchgang dauert gerade mal ein bis zwei Minuten.

So effizient die Methode ist, für die Bohnen hat sie fatale Folgen. Sie erhitzen nur von außen und bleiben innen roh. Die Röstung bleibt oberflächlich – und dadurch auch das Aroma.

Die sanfte Trommelröstung – aus Liebe zur Bohne

In Privatröstereien werden die Kaffeebohnen mit viel Liebe zum Detail geröstet und weiterverarbeitet. Unverändert gilt hier der Grundsatz: eine Langzeitröstung führt zu einem besseren Geschmack.
Es liegt in der Hand des Röstmeisters, in welcher Zeit und unter welchen Temperaturen ein Kaffee geröstet wird. Auf die gewünschten Geschmackseigenschaften des Kaffees kommt es an.

Bei der schonenden Langzeitröstung werden die Kaffeebohnen bei 190° bis 220° C im Trommelröster bewegt. Durch das verdampfende Wasser blähen sich die Bohnen bis auf das doppelte des Urpsrungsvolumens auf.

Unterschiede in der Nachhaltigkeit

Discounter-Kaffee: Nur "Bio" reicht nicht
Seit Jahren steht Kaffee aus biologischem Anbau bei deutschen Konsumenten hoch im Kurs. Wann aber ist ein Kaffee „Bio“? Als Kunde erkennen Sie Bio-Kaffee äußerlich an den zwei unterschiedlichen Siegeln von der EU und Deutschland.

Dem Verbraucher wird empfohlen, mindestens Bio-Kaffee zu kaufen, besser noch fair gehandelten Kaffee. Am besten Kaffee, der sowohl Bio als auch Fair ist.

Bio, fair und direkt gehandelt: Premium-Kaffee aus der Privatrösterei

Kaffee kann erst „Bio“ sein, wenn sich vom Bauern bis zum Röster alle an gemeinsame Standards halten. Genau das ist der Anspruch von Privatröstereien. Aus dieser Überzeugung heraus handelt die Kaffeerösterei Martermühle mit den einzelnen Bauern direkt, im Direct-Trade-Verfahren.

Im Gegensatz zu Fairtrade ist Direct Trade kein eingetragenes Markenzeichen. Stattdessen verpflichten sich Rösterein freiwillig, durch direkten Handel mit dem Kaffeebauern sämtliche Mittelsmänner, welche sich dazwischenschalten wollen, zu umgehen.

Über Projekte wie „PachaMama“ in Peru können die Röstereien ihren Kaffee direkt von den Farmern beziehen. Dafür zahlen Röstereien den Kaffeebauern Preise, die deutlich über den aktuellen Marktwerten liegen und ermöglichen ihnen so einen angemessenen Lebensstandard.

Premium-Kaffee kaufen

Wir gehen mit „PachaMama“ den Handelsweg ohne Zwischenstufen. Im Gegenzug erwarten wir hochwertigen Kaffee von gesunden und natürlich gedüngten Pflanzen. Der Kaffee wird nach Qualität bezahlt und muss höchste Ansprüche erfüllen. Also Klasse statt Masse. Die Bezahlung der Bauern erfolgt direkt, ohne Umweg über Zwischenhändler. Bestellen Sie bequem online Ihren Bio-Kaffee.


Fazit:
Es lohnt sich auf jeden Fall, den Billig-Kaffee im Discounter links liegen zu lassen und fortan Premium-Kaffee aus der Kaffeerösterei Ihres Vertrauens zu kaufen. Nicht nur geschmacklich gibt es große Unterschiede. Premium-Kaffees aus Privatröstereien sind sozialer, nachhaltiger und für alle Beteiligten auch gesünder – eben fairer für alle.

Themen: Kaffeebohnen