Kaffee-Geschichte Teil 2_Kaffee wird salonfähig

Im ersten Teil unserer Kaffee-Geschichte haben Sie erfahren, dass Kaffee erstmals in Äthiopien entdeckt wurde und sich im 15. Jahrhundert in der arabischen Welt verbreitete. Lange konnten die Araber das Monopol aber nicht halten, zu beliebt war das neu entdeckte Getränk.

Die Kolonialmächte brachten Kaffeepflanzen überall dorthin, wo ein Anbau von Kaffee möglich war. Das sind aufgrund der benötigten Wärme die Länder um den Äquator herum, dem sogenannten Kaffeegürtel. Durch den forcierten Anbau der Kolonialmächte und den schnell wachsenden Kaffeekonsum entwickelte sich Kaffee zu einem wichtigen Handelsgut. Der Durchbruch kam zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Überall entstanden jetzt Kaffeehäuser. Nachdem 1554 das erste Kaffeehaus in Konstantinopel eröffnete hatte, zog Europa jetzt nach. 1615 gelangte das Getränk nach Venedig, 1640 eröffnete das erste Kaffeehaus in Wien und 1673 in Bremen.

Der Kaffee kommt nach Europa

Die reichen Bürger Europas liebten den Genuss von Kaffee. Sie importierten Kaffeebohnen über die großen Häfen Amsterdam, Venedig, Hamburg und London, um sie dann mit einer landestypischen Röstung zu veredeln. Kaffeehäuser etablierten sich in Venedig, Paris, Amsterdam, Den Haag, London, Oxford und Marseille. Der Siegeszug des Kaffees setzte sich weiter fort. Die Kaffeehäuser entwickelten sich zu Orten, in denen Künstler und Intellektuelle diskutierten und arbeiteten. Die ärmeren Bevölkerungsschichten konnten sich vorerst keinen Kaffee leisten, dieser Genuss blieb der kleinen begüterten Bevölkerungsgruppe vorbehalten.

Kaffee-Geschichte in Italien und Österreich

Die Italiener liebten das neue Getränk. Sie nutzten die neu entstandenen Cafés, um zu allen Tageszeiten Geschäfte abzuschließen oder sich mit Freunden zu treffen. Der öffentliche Kaffeegenuss rief schnell Kritiker auf den Plan, wie sollte es auch anders sein. Christlichen Fanatikern war dieser Genuss ein Dorn im Auge und sie forderten den Papst auf, das Getränk zu verbieten. Glücklicherweise probierte der Papst den Kaffee und war sofort begeistert von dem neuen Geschmack. Der päpstliche Segen ebnete den Weg für die Ausbreitung des Kaffees in Europa. Das 1720 am Markusplatz eröffnete Café Florian ist eines der berühmtesten venezianischen Cafés und besteht noch heute. Italien gilt bei vielen Kaffeefreunden immer noch als DAS Kaffeeland.

Die Niederlage der türkischen Truppen im Jahre 1683 nahm in Wien großen Einfluss auf die dortige Kaffeehaus-Kultur. Als die Türken nach langer Belagerung Wiens geschlagen abzogen, hinterließen sie eine große Menge Rohkaffee. Es gibt mehrere Legenden über die erste Röstung in Wien. Auf alle Fälle übernahmen die Österreicher begeistert das duftende Getränk und eröffneten mehrere Kaffeehäuser. Sie servierten halbmondförmige Kipferl, um den Sieg über die türkischen Truppen zu feiern. Diese Kipferl sind einer Legende nach die Vorreiter der heutigen Croissants.

England entdeckt den Kaffee

Kaffee änderte den Alltag in Europa grundlegend. Der tägliche Morgenkaffee löste die Biersuppe ab, die bis dahin für die meisten Arbeiter das normale Frühstück darstellte. Anstelle von dauernden Rauschzuständen trat nun eine Arbeitsmotivation zutage, die nicht nur Fabrikbesitzer freute. Die Arbeiter waren pünktlich zur Stelle, konzentriert und weniger streitsüchtig. Kaffee entwickelte sich zu einem Verbündeten der Arbeit, das sehen wir noch heute an der Akzeptanz des Bürokaffees.

Im geschäftstüchtigen London schloss das Bürgertum bald die meisten Geschäfte im Coffeehouse ab. Die riesigen Wanduhren zeigten an, wann es Zeit für den nächsten Termin war. Der Eintritt in die Kaffeehäuser kostete einen Penny und aufgrund der dort geführten intelligenten Gespräche erhielten sie bald den Namen „Penny Universities“. Hier saß man im gleichen Raum zusammen, Standesunterschiede galten nicht.

Kaffee-Geschichte in Frankreich

In Frankreich erwiesen sich die Winzer als erbitterte Gegner des neuen Getränks, denn sie sahen in ihm eine Konkurrenz zu ihrem Wein. Trotzdem ließ sich der Siegeszug des Kaffees nicht aufhalten. Der Kaffeehandel begann erst klein und geheim. Aber spätestens als der Sonnenkönig Ludwig XIV den Kaffee für seinen Hof entdeckte, verbreitete sich das Getränk rasant. In Paris eröffnete 1672 das Café Procope, das heute noch existiert. Eingerichtet mit Kristallleuchtern und goldgerahmten Spiegeln, entwickelte es sich schnell zu einem Treffpunkt der Pariser Intellektuellen.

Zu den Stammgästen gehörten Voltaire, Rousseau, Robespierre, Balzac, Simone die Beauvoir und Jean-Paul Sartre. Ohne dieses Kaffeehaus hätte sich die französische Geschichte vielleicht anders entwickelt und wir wären um bedeutende Literatur ärmer! Die französischen Reformer verurteilten Alkohol, denn er vernebelt die Gedanken. Kaffee dagegen macht wach und leistungsstark. Sie hielten bis nachts ihre bedeutenden Reden und änderten mit ihnen den Lauf der Geschichte.

Der Kaffee kommt nach Deutschland

In Deutschland dauerte es fast 100 Jahre länger, bis der Kaffee angenommen wurde. Deutschland gehörte damals nicht zu den Kolonialmächten und erhielt somit keinen Kaffee aus seinen Kolonien. Es musste Kaffee von den Engländern oder Holländern kaufen, ein unerschwinglicher Luxus für die normale Bevölkerung. Sie blieb lieber beim Bier und warmer Mehlsuppe.

Das erste Kaffeehaus in Deutschland namens Hütting eröffnete 1673 in Bremen. Nur vier Jahre später zog Hamburg nach. Vorerst herrschte dort eine steife Atmosphäre und die Kaffeehäuser konnten nicht mit denen in anderen Ländern konkurrieren. Trotzdem setzte sich das Getränk später auch hier durch. Die steigende Nachfrage machte den Kaffeehandel zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Das Ausmaß privaten Kaffeekonsums missfiel Friedrich dem Großen. Er befürchtete darin eine Gefahr für seine Staatsfinanzen. Solange die Bürger Bier tranken, blieben die Devisen im Lande.

Verbot der privaten Kaffeerösterei

Deshalb sprach er im Jahr 1766 ein Verbot für die private Einfuhr, den Kaffeehandel und das Rösten von Kaffee aus. Den Kaffee von öffentlichen Kaffeeröstereien konnte sich aber kaum jemand leisten. Also setzte ein reger Kaffeeschmuggel ein und es gab „Kaffeeschnüffler“, die verbotene kleine Kaffeeröstereien entdecken sollten. Das brachte dem Alten Fritz viel Ärger ein und schließlich veranlasste er die Aufhebung des Verbots. Stattdessen führte er Zölle und Steuern auf Kaffee ein, die bis heute bestehen blieben. Wussten Sie, dass Deutschland heutzutage 2,19 Euro Röststeuer auf jedes Kilo Kaffee erhebt?

Kaffeehäuer und Kaffeeröstereien im Wandel der Zeit

Durch die weltweite Nachfrage und die technisierte Verarbeitung des Kaffees sank der Preis und Kaffee wurde für jedermann erschwinglich. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gilt Kaffee als Volksgetränk. Heutzutage ist Kaffee ein Genussmittel, das aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Der Morgenkaffee, das Relaxen im Straßencafé und die Kaffeetasse neben dem Laptop – ein gewöhnliches Bild.

Kaffeehäuser gelten immer noch als Treffpunkt für alle Bevölkerungsschichten. Moderne Kaffeehaus-Kultur ist lebendig und erfindet sich ständig neu. Wir sind gespannt, wohin der Weg uns führt. Auch zuhause wird Kaffee immer wichtiger. Es wird nicht mehr irgendein Kaffee getrunken, sondern viele Kaffeefreunde zelebrieren ihr Getränk. Entweder mit laut zischenden Maschinen oder in meditativer Handarbeit. Das Qualitätsbewusstsein ist bei den deutschen Kaffeetrinkern angekommen!

 

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