Kaffeerösten ist Chefsache

Peter Vit und Ralf Heincke fuhren ein Jahr lang alle zwei Wochen 50 Kilometer zu einem befreundeten Röster. Die Atmosphäre und das Aroma seien in der Rösterei einfach von besonderer Qualität gewesen. Der Wunsch nach einer eigenen Röstung bei beiden wuchs. 2009 wurde aus dem Wunsch Wirklichkeit. Heincke und Vit schafften sich ihren ersten eigenen Röster an. Die Kaffeerösterei waren 25 Quadratmeter einer denkmalgeschützten Stallung aus dem 15. Jahrhundert.

Die passende italienische Espresso-Maschine wurde auf Raten gekauft. Das erste Büro war ein 12 Quadratmeter großer fensterloser Raum. Ein orangener Flickenteppich und ein braunes Holz-Regal stellten die gesamte Ausstattung dar. Heute werden dort Pakete für den Online-Versand verpackt, der bereits 20 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Heincke sagt: „In der Zeit wollte ich einfach nur ein Büro mit einem schönen großen Fenster“ und blickt heute nicht nur aus einem großen Fenster, sondern auch auf 400 Quadratmeter Gesamtladen- und Röstereifläche.

Von der Leidenschaft zu bestem Kaffee

„Die Idee Kaffee zu rösten, war zu Beginn reine Leidenschaft. Ein Wunsch, den wir uns erfüllen wollten. Wir hatten kein Geschäftsmodell im Sinn. Es war einfach nur die Faszination am Geruch und der Atmosphäre in einer Kaffeerösterei“, sagen beide, wenn man sie nach ihrer Motivation fragt. Bemerkenswert für ihren Erfolg ist, das Heincke (47) und Vit (50) beide keinerlei Erfahrung in der Lebensmittelbranche hatten, als sie 2009 mit der Kaffeerösterei Martermühle starteten. Heincke hat bis zur Gründung als gelernter Sportjournalist Motorsportrennen und Biathlon-Wettkämpfe für Eurosport, Sky oder Sat.1 kommentiert. Der ausgebildete Maschinenschlosser Peter Vit war bis zur Selbständigkeit technischer Leiter der renommierten ARRI-Kinos in München-Schwabing.

2009, als beide noch Vollzeit ihren Jobs nachgingen sagten sie sich: „Irgendwann hören wir dann auf und machen nur noch Kaffee.“ Dass dieser Tag wirklich kommen sollte, war beiden nicht zu 100 Prozent klar. Zu Beginn gab es nur zwei Kaffeesorten. Espresso und Filterkaffee. Die erste Bestellung an Rohkaffee waren vier Säcke á 60 Kilogramm, da es keinen Lagerplatz gab. Mindestbestellmenge ist eine Palette mit zehn Säcken. Heute bestellen die beiden etwa 1.000 Säcke pro Jahr.

Idee, Strategie und Disziplin als Erfolgsformel

„Leidenschaft für die Idee war und ist die Basis des Unternehmens. Unser Erfolg baut aber vor allem auf Disziplin und einer klaren Strategie auf. Und mit Disziplin meinen wir die, eines Spitzensportlers der alle Lebensbereiche seinem Ziel unterordnet und sogar bei der Ernährung das letzte Quäntchen Fett aus dem Quark quetscht“, sagt der ehemalige Sportjournalist Heincke.

Unsere Mitarbeiter sind im positiven Sinne Kaffee-verrückt

„Unsere Leute experimentieren alle zu Hause mit Kaffee und teilen unsere Leidenschaft. Wir flippen aber nicht aus. Wir machen einfach.“ Und das „Machen“ schreiben die beiden Geschäftsführer groß. Rösten ist nämlich bei der Martermühle Chefsache. Wie alles, nehmen die beiden das Rösten mit sportlichem Ehrgeiz: „Du musst bei jeder Röstung das rausholen, was im Material drin steckt. Das heißt, die Röstung muss am Gipfel beendet werden. Das ist wie bei einer Wanderung: Wer kurz vor dem Gipfel oder kurz nach dem Gipfel rastet, hat einfach weniger Genuss, als derjenige, der am Gipfel halt macht“, sagen Vit und Heincke einstimmig. Es gilt auch die Regel. Wer am Röster steht, darf nicht gestört werden. Die Qualität der Röstung ist zugleich die Handschrift der Martermühle.

Höchste Qualität und erlesener Rohkaffee

Alle Kaffee- und Espressosorten werden mit viel Liebe zum Detail und ohne künstliche Zusatzstoffe geröstet. Beim Rohkaffee liegt den beiden gerade Fairness und Nachhaltigkeit am Herzen. Sie bezahlen einen Kilogramm-Preis, der deutlich über dem Weltmarktpreis liegt. So ermöglichen sie faire Bezahlung und Entwicklungsmöglichkeiten der Produzenten im Ursprungsland. Ihr Credo beim Rösten ist höchste Sorgfalt, Disziplin und Feinheit. Das Ergebnis lässt sich in der hohen Verträglichkeit spüren und im besonderem Aroma schmecken.

Mittlerweile haben die beiden bereits den dritten Röster mit einem Fassungsvermögen von 30 Kilogramm, der täglich im Betrieb ist. Damit wurden im vergangenen Jahr 55.000 Kilogramm Rohkaffee verfeinert. Mit 14 Mitarbeitern sowie Präsenz im Einzelhandel u.a. bei REWE und Edeka-Märkten können Heincke und Vit behaupten, dass ihr Erfolgsrezept aus Leidenschaft, Strategie, Disziplin und „einfach machen“ sich bewährt hat.

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