Kopi Luwak: Kennen Sie den außergewöhnlichsten Kaffee der Welt?

Der Begriff "Kopi Luwak" klingt beim ersten Hören nach dem Ehrentitel eines südamerikanischen Ureinwohner-Häuptlings. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem fremd klingenden Namen eine Kaffeesorte, und zwar eine richtig teure, die unter Kaffeekennern immer beliebter wird. Kopi Luwak wird auch "Katzenkaffee" genannt. Er gehört zu den teuersten Kaffeesorten der Welt und wird für mehrere Hundert Euro das Kilo gehandelt. Was genau hat es mit dieser Kaffeerarität auf sich?

Was ist Katzenkaffee?

Das Besondere an Kopi Luwak-Kaffeebohnen ist ihre außergewöhnliche Herstellung. Bei herkömmlichem Kaffee bereiten die Kaffeebauern die Bohnen in aufwendigen Verfahren selber auf. Beim Kopi Luwak durchlaufen die Kaffeebohnen stattdessen vor der Röstung und Zubereitung den gesamten Verdauungstrakt indonesischer Schleichkatzen. Die Kaffeebauern sammeln die ausgeschiedenen Kaffeebohnen auf und verarbeiten sie dann zu dem bekannten Kopi Luwak weiter.

Der Name "Katzenkaffee" ist irreführend. Schleichkatzen nämlich sind keine Katzen. Sie sehen unserer Hauskatze nur ähnlich und gehören zur Familie der Katzenartigen. Deshalb bezeichnet man Kopi Luwak im Englischen als "fox-dung coffee" (Fuchskot-Kaffee) oder "weasel coffee" (Wiesel-Kaffee). Die verantwortliche Schleichkatze heißt in Indonesien "Musang luwak". Zusammen mit dem indonesischen Wort "Kopi" (Kaffee) gibt er dem Katzenkaffee seinen exotischen Namen: Kopi Luwak.

Wo kommt Katzenkaffee her?

Der originale Kopi Luwak kommt von den indonesischen Inseln Java, Sulawesi und Sumatra. Mittlerweile ist er in Europa und Nordamerika so beliebt und so teuer, dass Kaffeebauern aus ganz anderen Regionen versuchen, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden. In Indien und Äthiopien zum Beispiel füttert man Zibetkatzen die Kaffeekirschen - und in Thailand sogar Elefanten! Diese thailändische Kaffeevariante nennt sich "Black Ivory". Sie ist weltweit zwar weniger bekannt, aber fast genauso teuer wie der Kopi Luwak selbst.
Kaffeebohnen aus den Exkrementen von Tieren zu verarbeiten, ist keine neue Idee. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hat der bekannte Zoologe Alfred Brehm das Phänomen beschrieben. Die Kaffeeplantagen Indonesiens waren in Hand von Kolonialisten, die den wertvollen Kaffee entweder exportierten oder gleich selbst tranken. Den einheimischen Indonesiern blieb nichts anderes übrig als die Kaffeebohnen zu nutzen, die keiner mehr haben wollte: die aus den Exkrementen des Musang luwak.

Wie wird Katzenkaffee hergestellt?

Kaffeebohnen, wie wir sie im Laden kaufen, kann man auf verschiedene Arten herstellen. Nach der Ernte bereitet man die Früchte der Kaffeepflanze, sogenannte Kaffeekirschen, auf eine spezielle Art auf. Die Aufbereitung legt die Bohne im Inneren der Frucht frei. Anschließend kommen die Bohnen zu Kaffeeröstern, die - der Name sagt es - die Bohnen aufwendig rösten und mahlen. Erst dann kann man daraus Kaffee brühen. Die Aufbereitung ist tatsächlich ein entscheidender Teil der Herstellung. Man unterscheidet zwischen Trockenaufbereitung und Nassaufbereitung. Bei der Nassaufbereitung legt man die Kaffeekirschen über mehrere Tage in Wasser, damit sich das Fruchtfleisch durch Fermentation löst.
Und nein, das hat nichts mit Alkohol zu tun: Fermentation ist ein biologischer Vorgang, der organische Stoffe durch Enzyme (sogenannten Fermente) umwandelt. Dieser Fermentationsprozess wirkt sich essenziell auf den Geschmack und die Qualität der Kaffeebohnen aus.

Genau bei diesem Vorgang der Fermentation liegt der entscheidende Unterschied zwischen Kopi Luwak und anderen Kaffeesorten. Die indonesischen Schleichkatzen haben eine Vorliebe für Kaffeekirschen. Sie fressen die Früchte, aber leider können sie davon nur das Fruchtfleisch verdauen und nicht die innen liegende Kaffeebohne. Die Bohnen durchlaufen so den gesamten Verdauungsprozess des Tieres, bevor sie diese am Ende ausscheiden. Durch die feuchte Umgebung im Darm und die richtigen Enzyme löst die Verdauung ebenfalls einen Fermentationsprozess aus. Diese spezielle Fermentierung verleiht dem Katzenkaffee sein typisches, sanftes Aroma.

Schleichkatzen scheiden nicht alle Bohnen einzeln aus, sondern in Klumpen. Die Kaffeebauern sammeln diese Klumpen auf und trocknen sie. Danach zerteilen sie die Klumpen dann vorsichtig mit Mörsern, bis die Bohnen voneinander getrennt sind. Jetzt waschen sie die Kaffeebohnen gründlich, trocknen sie noch mal und liefern sie säckeweise an Genossenschaften. Solche Genossenschaften organisieren die Weiterverarbeitung gemeinschaftlich.

Das besondere Aroma: Wie schmeckt Katzenkaffee?

Der Geschmack steht bei einem Genussmittel wie Kaffee an erster Stelle. Die spezielle Herstellungsweise gibt dem Kaffee nach dem Rösten einen milden und vollmundigen Geschmack, mit einem erdigen, leicht modrigen Aroma. Dieses spezielle Geschmackserlebnis ist nicht für jeden etwas - manche finden Kopi Luwak trotzdem zu bitter und zu muffig. Die besondere Herstellungsart der Kaffeebohnen schreckt auch einige ab.
Wissenschaftler haben versucht, das typische Luwak-Aroma der Kaffeebohnen künstlich herzustellen. Sie haben vor einigen Jahren erforscht, welche Enzyme im Darm des Musang luwak für den speziellen Geschmack der Kaffeebohnen verantwortlich sind. Ein vietnamesisches Unternehmen will es geschafft haben, mit diesem Wissen das typische Geschmackserlebnis des Katzenkaffees ohne die Schleichkatzen selbst zu erzeugen. Andere Anbieter ahmen den Luwak-Geschmack mit künstlichen Aroma-Zusatzstoffen nach. So kann man Kopi Luwak kaufen, der noch nie eine Schleichkatze gesehen hat.

Kopi Luwak für daheim: Wo gibt es Katzenkaffee?

Am einfachsten bekommt man den Katzenkaffee im Internet. Manche Feinkostläden und Kaffeefachgeschäfte bieten Kopi Luwak an, oder man bestellt ihn direkt bei den Herstellern in Indonesien. Wer sowieso eine Asienreise plant, kann den Katzenkaffee direkt auf den Plantagen kaufen. Viele Kaffeebauern bieten Führungen und "Kopi-Luwak-Touren" für Touristen an.

Wie teuer ist Katzenkaffee?

In jedem Fall muss man mit einem saftigen Preis für den teuersten Kaffee der Welt rechnen: Über 300 Euro kostet das Kilo. Vorsicht ist geboten bei Händlern, die Kopi Luwak zu unterdurchschnittlichen Preisen anbieten. Vor gefälschtem und gestrecktem Luwak-Kaffee ist man nie gefeit. Aber besonders billige Angebote sollte man besser doppelt überprüfen, bevor man zugreift.

Ist Katzenkaffee Tierquälerei?

Es gibt ein Thema, das den Genuss des besonderen Katzenkaffees trüben kann: Wie bei allem, was mit Tieren zu tun hat, stellt sich auch beim Katzenkaffee die Frage nach der Tierhaltung. Viele Kaffeehersteller werben damit, dass ihr Kopi Luwak ausschließlich von freilebenden Schleichkatzen stammt. Man stelle sich glückliche Kätzchen vor, deren Exkremente emsige Bauern mühselig unter den Kaffeepflanzen aufsammeln. Nachprüfen lässt sich das nur sehr schwer.

Tierschutzorganisationen wie Peta verurteilen die Produktion von Kopi Luwak grundsätzlich als Tierquälerei. Die Schleichkatzen klettern in vielen Fällen nicht glücklich auf Bäumen herum, wie man es den Käufern gerne weismacht. Oft fangen die Kaffeebauern wilde Luwaks stattdessen ein und halten sie in kleinen Käfigen, wo sie ihnen ausschließlich Kaffeekirschen füttern. Käfighaltung führt zu schlimmen Folgen für die Tiere, wie Verletzungen und Verhaltensstörungen. Durch die einseitige Ernährung durch Kaffeekirschen zeigen viele Schleichkatzen Mangelerscheinungen, wie z. B. Haarausfall. Stellen Sie sich vor, Sie dürften nur noch Schokolade essen. Da würden Ihnen auch die Haare ausfallen...

Häufig stammt auch solcher "Freiland"-Kopi Luwak zumindest zu Teilen von Schleichkatzen aus Käfighaltung. Wer hundertprozentig sichergehen will, dass kein Tier für seinen Kaffee zu Schaden gekommen ist, der lässt vom authentischen Kopi Luwak besser die Finger. Eine gute Alternative stellt der künstliche Kopi Luwak dar. Er verspricht einen authentischen Geschmack, ohne Tiere in den Prozess miteinzubeziehen. Wer trotzdem die originale Kopi Luwak-Erfahrung machen will, der sollte sich vorher über die Hersteller der Luwak-Bohnen genau informieren. So kann man Kopi Luwak beruhigt kaufen.

Fazit: Katzenkaffee - Ja oder nein?

Kopi Luwak ist nicht nur eine der teuersten, sondern auch eine der umstrittensten Kaffeesorten der Welt. Aspekte wie die Tierhaltung sprechen gegen die Unterstützung der Kopi-Luwak-Produktion. Trotzdem bleibt der Katzenkaffee für jeden Kaffeefreund eine Verlockung. In seiner Herstellungsweise und im Geschmack ist er einzigartig und bereichert die Erfahrung jedes Kaffeekenners. Unabhängig davon, ob man den Geschmack mag oder nicht.

Man kann übrigens in ausgewählten Cafés und Kaffeeröstereien frisch gebrühten Katzenkaffee tassenweise kaufen. Wem das Geschmackserlebnis einen Preis von etwa 40 € pro Tasse wert ist (sicher eine der teuersten Tassen Kaffee der Welt!), der könnte es als Kompromiss erst mal damit probieren.

Oder man besucht seine Lieblings-Kaffeerösterei und bestellt sich dort eine Tasse hochwertigen Kaffee für weniger Geld, aber genauso viel Geschmack! 

Themen: Kaffeebohnen