Latte Art: Wie kommt das Herzchen in den Milchschaum?

Latte Art ist die Kunstform der Baristas: Sogenannte Kaffee-Connaisseure zaubern mit geschäumter Milch filigrane Muster auf Cappuccino und Co. Mit unseren Tipps werden auch Sie zum Milchschaum-Künstler.

Wer hübsche Milchschaummuster auf seiner Kaffeespezialität genießen möchte, muss dafür nicht ins Café gehen. Auch zu Hause können Sie zum Latte-Künstler werden und Herzen oder Blumen in die Crema zaubern. Dafür benötigen Sie nur das entsprechende Zubehör, die richtige Technik und vor allem: Viel Geduld!

Latte Art ist eine Kunst für sich, die wie jede andere Kunst eine Menge Übung braucht. Seien Sie deshalb nicht entmutigt, wenn das Herz auf dem Cappuccino am Anfang noch aussieht wie ein weißer Klecks. Übung macht den (Milchschaum-) Meister!

Was ist der Unterschied zwischen Latte Art und Coffee Art?

Latte Art ist für den ambitionierten (Hobby-) Barista das i-Tüpfelchen auf dem Kaffee. Im Milchschaum sehen die klassischen Latte-Art-Künstler niemals nur den Selbstzweck. Er soll die Kaffeespezialität geschmacklich und optisch vollendet abrunden. Temperatur, Menge und Konsistenz vom Milchschaum – alles muss auf den Punkt perfekt dem Charakter des Kaffees angepasst werden. Latte-Art-Künstler/innen treffen jährlich weltweit bei Meisterschaften wie der „Barista Championship“ aufeinander. Dort wird neben der Form und Konsistenz des Milchschaums auch der Geschmack bewertet.

Anders bei Coffee Art: Hier sind Kaffee und Milchschaum tatsächlich vor allem Mittel zum Zweck. Es geht nicht um den Geschmack und Genuss, sondern um die höhere Kunst! Einige Kaffee-Künstler definieren Coffee Art eher spielerisch und erschaffen schaumige Skulpturen mit Spaßfaktor. Andere von ihnen sehen sich als ernsthafte Künstler und malen mit Kaffee – ganz klassisch mit dem Pinsel, Kaffeelöffel oder Zahnstocher.

Das richtige Werkzeug für ein Milchschaummuster

Jede große Kunst braucht zwei grundsätzliche Werkzeuge: Die richtige Leinwand und die richtige Farbe. Bei Latte Art bedeutet dies, optimal geschäumte Milch und ein ebenso optimaler Espresso.

Beim Espresso kommt es vor allem auf eine stabile Crema an, die ihre geschlossene Oberfläche nicht verlieren darf, wenn die Milch hinzukommt. Dafür muss die Kaffeedosierung, Brühtemperatur und Durchlaufzeit bestmöglich zusammenspielen. Für eine möglichst dichte Crema verwenden Sie am besten eine Espressomaschine mit Siebträger oder ein Vollautomaten.

Genauso wichtig (oder fast wichtiger) ist der perfekte Milchschaum. Als sogenannter Mikroschaum ist er beinahe noch flüssig und damit sehr fließfreudig. Er hat eine leicht sämige Konsistenz, die dafür sorgt, dass der Schaum auf der Kaffeeoberfläche schweben kann. Beim Schäumen an der Dampfdüse geht es darum, das Volumen nur wenig zu erhöhen.

Fehlt nur noch das Kaffee-Besteck: Ein Barista arbeitet stets mit einem Profikännchen aus Edelstahl, das er gut greifen und damit leicht führen kann. Ein schmaler, spitzer Schnabel ist entscheidend, denn er ermöglicht ein präzises Eingießen der Milch in den Espresso. So haben Sie eine bessere Kontrolle über den Milchstrahl, mit dem Sie Ihr Kunstwerk in die Tasse „malen“. Auch die Tasse ist nicht unwichtig, zumindest für Anfänger: Große Tassen haben mehr Platz und kleinere Fehler in Ihrem Bild lassen sich leichter korrigieren. Wenn Sie geübter sind, können Sie sich an die richtigen Größen für Cappuccino und Co. heranwagen.

Wie gelingt der perfekte Milchschaum für das Milchschaummuster?

Am besten verwenden Sie Vollmilch für den Milchschaum und nutzen dafür die Dampfdüse der Espressomaschine. Mit etwas Übung kann auch ein Hand-Milchaufschäumer die gewünschte Konsistenz ergeben. Bereits am Anfang des Aufschäumens entscheidet sich, ob der Milchschaum wirklich Latte-Art-Potenzial hat: Die Dampfdüse darf in der sogenannten Anreiß- oder Ziehphase nur einen Hauch unter der Milchoberfläche stehen. So zieht sie Luft an und vergrößert das Volumen der Milch. Ist die Düse zu weit oben, werden zu viele große Luft-Wasserbläschen in die Milch befördert und der Schaum wird zu großporig. Die Rollphase ist kürzer - der Wirbel muss hier kleiner gehalten werden. Die Dampfdüse wird dazu etwas tiefer in die Milch gesenkt. So entsteht ein gleichmäßig feinporiger Milchschaum.

Achten Sie darauf, die Milch möglichst bald nach dem Aufschäumen zu verwenden. Warten Sie zu lange, verfestigt sich der Milchschaum und Sie können nicht mehr optimal gießen.

Wie entsteht ein Muster im Milchschaum?

Latte Art Anleitung für angehende Kaffeekünstler

Als Anfänger gleich einen Latte-Art-Schwan oder eine Rose kreieren? Da ist der Frust vorprogrammiert. Eines der einfachsten Motive, die Sie mit etwas Übung beherrschen können, ist das Latte-Art-Herz. Wir erklären Ihnen wie:

  • Den frisch geschäumten Milchschaum in der Kanne schwenken und vorhandene Luftbläschen leicht „herausklopfen“. Machen Sie nun kurz den Fließtest: Halten Sie das Kännchen etwas schräg. Fließt der Milchschaum problemlos in den Ausguss? Dann ist er perfekt.
  • Bereiten Sie einen Espresso zu und achten Sie darauf, dass die Crema nicht aufreißt oder zerstört wird. Falls dies doch passiert, lieber eine neue Tasse zubereiten!
  • Jetzt kommt der entscheidende Moment: Der erste Tropfen Milchschaum sollte aus einer kleinen Höhe mittig auf die Crema treffen. Dadurch fließt die Milch perfekt auf Ihre „Leinwand“.
  • Gießen Sie die Milch weiter mittig ein, bis sich nach und nach ein runder Milchschaumfleck in der Tasse abzeichnet. Bewegen Sie dabei das Kännchen langsam abwärts in Richtung Kaffeetasse.
  • Warten Sie einen Moment, sodass sich der Milchschaum etwas setzen kann.
  • Und nun das Finale: Gießen Sie den Milchstrahl durch den Schaumfleck - vom einen Rand der Tasse bis zum anderen Rand. Fertig ist das Latte-Art-Herz!

 

Haben Sie keine Zweifel, falls es nicht gleich beim ersten Mal funktioniert. Übung macht den Meister – vor allem, wenn es um die richtige Schaumkonsistenz und die Handhaltung am Milchkännchen geht. Sobald das erste Herz in bester Latte-Art-Manier auf dem Cappuccino prangt, können Sie weiter an Ihrer Grundtechnik feilen.

Latte-Art-Tipp: Farnblatt

Ist das Herz gemeistert, kann das nächste Kunstwerk kommen: Das Farnblatt. Florale Muster sind nicht nur bildschön, sondern lassen sich auch gut von Einsteigern kreieren. Hierfür wird nur eine simple Gießtechnik und ein wenig Geschick benötigt.

Gießen Sie den Milchschaum aus einer kleinen Höhe in die Tasse ein, damit er sich mit der Crema vermischen kann. Ab einem Viertel der Tasse reduzieren Sie die Eingießhöhe, sodass der Milchschaum aufschwimmt. Schwenkende Bewegungen von rechts nach links ergeben die Blätter und eine abschließende Aufwärtsbewegung den Stiel. Fertig ist das Farnblatt.

Wie zeichnen Sie Muster in den Milchschaum?

Mit einem Zahnstocher oder einem feinen Pinsel können Sie fertige Latte-Art-Designs noch weiter kreativ bearbeiten: Ziehen Sie zum Beispiel Muster in den Schaum oder tupfen Sie mit der Crema Punkte hinein.

Zwar nicht ganz stilecht, aber umso schicker ist Latte Art, bei der mit Schokosirup zusätzlich Akzente gesetzt werden. Ein tolles Motiv entsteht immer, wenn man mit dem Sirup Kreise auf die relativ feste Milchschaumhaube zeichnet und dann ein dünnes Holzstäbchen durch diese Kreise zieht. So entstehen immer wieder unterschiedlich ansehnliche Rosetten-Muster.

Unser Tipp: Üben Sie mit Spülmittel

Bis Sie den Latte-Art-Dreh heraushaben, werden Sie wahrscheinlich die eine oder andere Tasse „Übungs-Cappuccino“ verschleißen. Um Kaffee und Milch zu sparen, üben Sie am besten mit einer anderen Kombination: Kaltes Wasser mit etwas Spülmittel verhält sich beim Aufschäumen ähnlich wie Milch und ist daher ideal. Statt Espresso können Sie Sojasoße verwenden und so Ihre Latte-Art-Künste kostengünstig perfektionieren. Nur trinken sollten Sie dieses Gebräu besser nicht!

Fazit

Latte Art ist eine wunderbare Möglichkeit, dem Kaffeegenuss sprichwörtlich die Krone aufzusetzen. Nur wenig Aufwand genügt, um seinen Kaffeefreunden oder sich selbst ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Viel Spaß auf Ihrem Weg zum Milchschaumkünstler!

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