Süßes oder Saures?

Rund um den Erdball trinken die Menschen ihren Kaffee anders. Mal kann es nicht genug Zucker sein, mal kommt es auf die Säure an. Kaffee-Tipps für Ausland-Trips: dieses Mal von Portugal über Kroatien bis Schweden. (Folge 3)

Schnell, aber nie hektisch...

...so trinken die meisten Menschen in Portugal ihren Kaffee. Sechs Tassen pro Tag dürfen es sein. Wie in allen südeuropäischen Ländern spielt der Kaffee in Portugal eine große Rolle. Für den kurzen Plausch in der Nachbarschaft, für die kurze Pause zwischendurch und für den Genuss. Wer einen „café“ bestellt, dem reicht der Kellner einen kurzen, schwarzen, heißen Kaffee über die Theke. Viele Einheimische geben noch Zucker hinzu und trinken ihn in wenigen Zügen im Stehen.

Den „To Go“-Trend ignorieren viele Portugiesen, das Mitnehmen im Pappbecher wäre ihnen dann doch zu hektisch und zu wenig elegant. Und wenn sie mehr Zeit haben, darf’s auch Milch zum Kaffee sein. Zum Beispiel im bekannten „galao“, der zu etwa Dreiviertel aus Milch zubereitet wird. Ein „pingo“ ist ein Espresso mit Schuss Milch, ein „meia de leite“ ein Milchkaffee mit einem Verhältnis von eins zu eins.

Kaffee „To Talk“

Im Gegensatz zu den Portugiesen trinken die Menschen in Kroatien ihren Kaffee vorwiegend in Ruhe, manchmal stundenlang. Das liegt daran, dass Kaffee hier weniger der kurzen Pause gilt, denn als Begleiter für gute Gespräche. Als Urlauber kann man sich an diesem Verständnis gleich ein Beispiel nehmen: Was gibt es schließlich Schöneres, als einen ausgiebigen Kaffeeplausch – über Themen, die einen gerade bewegen oder einfach nur übers Wetter.

So oder so, eine Tasse Kaffee verbindet – und das wissen die Kroaten zu schätzen. Zu Hause trinken sie türkischen Kaffee aus der Mokkakanne. In den Cafés haben sie die italienische Kaffeekarte übernommen, was die Bestellung vereinfacht. Nur mit Milchschaum würden die meisten Kroaten einen Kaffee nie trinken, das überlassen sie den Touristen.

Im Schatten des Tees

Zwei Tassen Kaffee trinken die Menschen in China im Schnitt – und das nicht etwa pro Tag, sondern pro Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland trinken die Menschen im Schnitt etwa 1.000 Tassen pro Jahr. Es wäre kaum übertrieben zu sagen, dass Chinas Kaffeekultur noch Luft nach oben hat. Doch langsam ändert sich etwas. In den schicken, westlich orientierten Szenevierteln in Metropolen wie Shanghai oder Peking eröffnen Espressobars. Und auch die breite Bevölkerung entdeckt die braunen Bohnen so langsam.

Was die Ignoranz in Sachen Kaffee noch erstaunlicher macht: In China wächst hervorragender Kaffee, etwa in Yunnan im Südwesten oder in Fujian im Südosten. Nussig, fast schokoladig schmecken hochwertige chinesische Kaffees. Doch die Chinesen trinken zu Hause vor allem Instantkaffe, mit Milchpulver und Zucker – für Kaffeekenner ein absoluter Graus. Es ist die Macht der Gewohnheit, über Jahre hat die Industrie den Instantkaffee in den Markt gedrückt. Doch weil der gesättigt scheint, wechseln selbst die Konzerne auf frische Bohnen. Und die Chinesen fangen an, sich unterwegs einen richtigen Kaffee zu gönnen.

Saurer Norden

Kaffee können nur die Südeuropäer? Von wegen. In Skandinavien hat sich in den letzten Jahren eine erstaunliche Szene entwickelt. Unter Kennern gilt die dortige Kaffeekultur aktuell als Vorreiter. Und die Speerspitze dieser Bewegung befindet sich in Schweden. Im Gegensatz zu den Italienern konzentieren sich die Schweden nicht hauptsächlich auf den Espresso, sondern auf Filterkaffee. Hipster von New York über Amsterdam bis London schwärmen von den Röstungen aus Göteburg, Stockholm und Co.

Jedermanns Sache sind diese nicht. Denn die Schweden haben sich vor allem mit sehr hellen Röstungen einen Namen gemacht, bei denen die Bohnen kurz in der Rösttrommel erhitzt werden. Auf diese Weise behalten die Bohnen einen großen Teil ihrer Säure, woduch die Kaffees säuerlich, fruchtig schmecken. Wer diese Aromen nicht gewohnt ist, rümpft erst die Nase, aber nach einigen Tassen kommen viele Besucher auf den Geschmack. Sogar einen eigenen Reiseführer für Cafés haben die Schweden, genannt „White Guide“. Zu den bekanntesten Cafés der neuen Szene zählen das „Da Matteo“ in Göteburg und das „Drop Coffee“ in Stockholm.

Süßer Zuckerhut

Nirgendwo bauen die Menschen mehr Kaffee an als in Brasilien, kein Wunder, dass sie ihn besonders gerne trinken. Morgens genehmigen sich viele Brasilianer als erstes einen „café com leite“, einen extra starken Kaffee mit jeder Menge heißer Milch. Nachmittags folgen oft „cafezhinos“ ein extra starker Kaffee mit jeder Menge Zucker. Ihren ersten Kaffee trinken die Brasilianer, wenn sie eingeschult werden. Also im Alter von fünf oder sechs Jahren – und von da an ein Leben lang.

Gut denkbar, dass die Brasilianer ihr Kaffeepensum im August und September hochschrauben, damit sie alle Wettbewerbe der Olympischen- und die Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro verfolgen können. Und wer aus Deutschland schon nicht anreist, um die Leichtathleten, Schwimmer und Co. anzufeuern, kann zum Trost Kaffee aus brasilianischen Bohnen trinken – handgeröstet von der Kaffeerösterei Martermühle. Hier können Sie den Kaffee online bestellen: „Kaffee Santos“

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