Wilde Mischungen und große Kaffeekunst

Andere Länder, andere kulinarische Sitten: Kaffee-Tipps für Ausland-Trips – von der Türkei über England bis Thailand. (Folge 2)

1. Dunkles Geheimnis

Kaffee gehört zur Kultur der Türkei wie das Dampfbad oder der Honig – und das seit über 500 Jahren. Los ging es mit einem Gastgeschenk des äthiopischen Gouverneurs. Der besuchte im 16. Jahrhundert Konstantinopel, das heutige Istanbul, und brachte Kaffeebohnen aus seiner Heimat mit. Schnell eroberte das neue Getränk die Stadt. Noch heute gelten Kaffeehäuser als zentrale Treffpunkte jeder türkischen Nachbarschaft. Wer einen Klassiker der türkischen Kaffeekultur probieren möchte, bestellt am besten einen „Türk kahvesi“, eine besondere Gattung des „Mokka“.
Im Unterschied zu vielen Arabern bereiten die Türken ihren Kaffee in der Regel ohne Gewürze zu, mahlen die Bohnen nicht im Mörser, sondern in der Mühle und brühen das Pulver schnell auf. Dadurch schimmert die Farbe der Flüssigkeit dunkelbraun und sie schmeckt konzentriert.

Der „Türk kahvesi“ wird in einem speziellen Behälter, der „Cezve“, gekocht, auf Wunsch mit einem Teelöffel Zucker. Während des Erhitzens rührt der Kellner den Kaffee permanent mit einem Löffel um. Sobald sich Schaum bildet, verteilt er diesen auf die Tassen, kocht die Flüssigkeit noch einmal auf und gießt sie anschließend ein. Serviert wird der „Türk kahvesi“ grundsätzlich zusammen mit einem Glas Wasser.

2. Auf der Überholspur

Lange beherrschte die Kette Starbucks die Kaffeekultur in den USA. Doch in deren Schatten hat sich in den vergangenen Jahren eine neue Bewegung entwickelt. Vor allem in Großstädten wie New York oder San Francisco schießen die Cafés aus dem Boden. Junge Röster und Café-Betreiber feiern die Vielfalt des Kaffees und setzen auf hohe Qualität. Um dem hohen Bedarf an hochwertigen Kaffeebohnen in New York gerecht zu werden, eröffneten vor einigen Jahren junge Unternehmer ein riesiges schwimmendes Lager in einem Dock am Hudson River.

Aktuell besonders angesagt: Der „Cortado“, die spanische Variante des „Espresso Macchiato“ mit einem Verhältnis von Kaffee zu Milch von eins zu eins. Im Sommer wird der „Cortado“ dann abgelöst vom „Cold Brew Coffee“, einer speziellen Variante des Filterkaffees, die eiskalt getrunken wird und die perfekte Erfrischung für eine kurze Pause an einem heißen Tag in der Stadt ist.

3. Entscheidende Würze

Zurück ans Mittelmeer, nach Ägypten, wo das Kaffeetrinken eine mehrere hundert Jahre alte Tradition hat. Anfangs schlürften die Mitglieder einer islamischen Glaubensgruppe während ihrer Gebete Kaffee. Bald sprach sich der faszinierende Geschmack und die Wirkung des braunen Zaubertranks herum und die Kaffeehäuser eroberten die Städte. Doch statt für Gebete dienten sie vor allem als öffentliche Treffpunkte und Kulturzentren, zwei Funktionen, die sie noch heute ausüben.

Auch zu Geschäftsgesprächen reicht der Gastgeber heute immer Kaffee. Auf den Märkten ziehen sich die Händler oft in ein Kaffeehaus zurück, um in Ruhe zu feilschen. Wer einen typischen ägyptischen Kaffee kosten möchte, ordert am besten einen „Kahwa bl baharat“, eine Art gewürzter türkischer Kaffee. Das Kaffeepulver ergänzen die Ägypter um Gewürze wie Kardamon, Nelken oder Muskat – entsprechend aufregend riecht und schmeckt das Ergebnis.

4. Rund um die Uhr

Eigentlich gibt es keine Uhrzeit, zu der sich die Menschen in den Niederlanden nicht vorstellen könnten, einen „kopje koffie“ zu trinken, also eine Tasse Kaffee. Während in Deutschland die meisten ab zirka 17 Uhr keinen Kaffee mehr trinken, sehen die Niederländer diesen Verzicht absolut nicht ein. Mit anderen Worten: Ein wahrer Niederländer trinkt auch abends zu Hause noch seinen Filterkaffee.

Nur was die Qualität ihres Kaffees betrifft, haben unsere Nachbarn noch Nachholbedarf. So zählen öffentliche Automaten noch immer zu ihren liebsten Bezugsquellen. In keinem anderen Land ist deren Dichte höher als in den Niederlanden. Aber es gibt Hoffnung. In Amsterdam entsteht gerade eine spannende Szene aus kleinen Röstereien.

5. Von wegen Tea-Time

Nein, es ist wirklich auf nichts mehr Verlass heutzutage. Nun werden auch noch die Engländer ihrem Tee untreu. Immerhin aus gutem Grund: Ähnlich wie in den USA oder Amsterdam hat sich in England (und Rest-Großbritannien) eine neue Kaffeebewegung durchgesetzt, die auf einzigartige Cafés und kleine Röstereien setzt.

Mit anderen Worten: Den Menschen in England schmeckt der neue Kaffee einfach zu gut, als dass sie weiterhin bereit wären, ausschließlich Tee zu trinken. Kostprobe gefällig? Beim nächsten London-Besuch einfach morgens in die erstaunlich lange Schlange vor dem „Monmouth Coffee“ in Covent Garden einreihen und einen frischen, schwarzen Filterkaffee („black coffee“) bestellen.

6. Gewagte Mischung

Kaffeetrinken in Thailand glich lange Zeit einer Mutprobe. Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatten die meisten Einheimischen weder genug Geld noch hochwertige Bohnen, aber trotzdem Lust auf Kaffee. Also nahmen sie die preiswertesten Robusta-Bohnen, rösteten sie fast schwarz und mischten ihr Pulver wahlweise mit braunem Zucker, Mais, braunem Reis, Sojabohnen oder sogar Butter.

Anschließend gaben sie die Mischung in einen Baumwollfilter und tauchten ihn in kochendes Wasser. Das Ergebnis: „Kafae Boran“, ein günstiges und, nun ja, eher eigen schmeckendes Gebräu, das es noch heute gibt. Mittlerweile ist die Rezeptur verfeinert – und zumindest einmal sollten Besucher im Urlaub einen „Kafae Boran“ bestellt und getrunken haben. Wer danach Sehnsucht nach einem guten Espresso oder Filterkaffee verspürt, findet zumindest in den Großstädten Bangkok und Chiang Mai viele Cafés im westlichen Stil.

Und im Norden des Landes bauen die Menschen mittlerweile Arabica-Bohnen an, die weltweit einen exzellenten Ruf genießen. Die Kaffeerösterei Martermühle röstet regelmäßig den Kaffee„Pang Khon“. Er kommt aus dem Bergdorf Pang Khon und wird in Handarbeit von dem Akha-Bergvolk produziert. Wir freuen uns immer über eine neue Lieferung, denn dieser Kaffee ist wirklich etwas Besonderes!

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.