Angela Wowra | 11.12.2018

Zahlen wir faire Preise trotz gesunkenem Weltmarktpreis?

Kaffeepreise

Zurzeit hören wir in den Nachrichten, dass tausende Menschen in Zentralamerika auf der Flucht in Richtung Norden sind. Damit erreicht die Migrationsbewegung einen neuen Höhepunkt. Was das mit Kaffee zu tun hat, erfahren Sie hier.

In vielen Kaffeeanbaugebieten wächst die Unzufriedenheit. Guatemala, Honduras, Costa Rica, Nicaragua, Mexiko u.a. erleben derzeit eine große Abwanderung. Wer geht, das sind vor allem die jungen und starken Menschen. In ihnen steckt die Zukunft dieser Länder.

Als Grund für den Fortgang sehen wir die elenden Lebensverhältnisse der Landbevölkerung. Sie leben von Produkten wie dem Kaffee.

Wer bestimmt den Kaffeepreis?

In den letzten Wochen erreichte der Weltmarktpreis für Kaffee Tiefstwerte. Hier sehen wir einen Zusammenhang zu der Abwanderung. Das Einkommen der Kaffeebauern und Plantagenarbeiter wird durch die niedrigen Preise am Weltmarkt noch kleiner und somit sehen sie in ihrem Heimatland keine Zukunft mehr. Wer Kaffee produziert, lebt meistens davon. Schlimm ist, wenn das Einkommen nicht nur von der jeweiligen Kaffeeernte abhängt, sondern von den börsennotierten Kaffeepreisen. Wenn die Produktionskosten höher sind als die Verkaufspreise, sind sie definitiv zu niedrig. Wie soll das funktionieren?

Jeden Tag treffen wir viele Kaufentscheidungen. Wichtig ist dabei, den armen Ländern für ihre Waren einen gerechten Preis zu zahlen. Damit geben wir den hart arbeitenden Kleinbauern Hoffnung und Würde. Geiz beim Einkauf fördert die Ungleichheit der reichen und armen Länder. Der Kauf von Kaffee aus riesigen Monokulturen fördert zusätzlich die Zerstörung der Natur. Wir denken, Kaffee-Projekte sind deshalb die richtige Wahl. Ich erkläre im Folgenden, was das bedeutet und wie das mit dem Weltmarktpreis zusammenhängt.

Wie kommt der Kaffeepreis zustande?

Diesen September fiel der Weltmarktpreis für Kaffee das erste Mal seit über 10 Jahren unter die Marke von 1 US-Dollar pro Pfund. Der Weltmarktpreis trifft die Kaffeebauern hart, ist er doch das Richtmaß aller Dinge. Jeder Kaffeehändler orientiert sich daran und alle Preisverhandlungen richten sich danach. Auch für den Kaffee, der nicht an der Börse verkauft wird, stellt dieser Kaffeekurs die Grundlage für alle Verhandlungen dar.

Der Kaffee-Weltmarktpreis ist der Durchschnittspreis aller weltweit gehandelten Kaffees. Da sind gute und schlechte Kaffeebohnen enthalten, verschiedene Herkunftsländer und verschiedende Sorten. Also zum Beispiel exklusive Kaffees der Sorte Arabica, von Hand geerntet und sorgfältig aufbereitet. Von kleinen Plantagen, deren Kaffeepflanzen an Hängen in Guatemala oder Peru wachsen. Genauso dabei sind mindere Qualitäten, zum Beispiel aus Brasilien. Diese werden häufig maschinell auf riesigen Kaffeeplantagen geerntet und dabei so schnell und einfach wie möglich aufbereitet.

Warum sinkt der Kaffeepreis?

Grundsätzlich sind die Gründe für Preisschwankungen im Kaffeehandel vielschichtig und nicht ganz einfach zu erklären. Wie überall in der Wirtschaft herrschen Angebot und Nachfrage. Das bedeutet, bei einer guten Ernte ist viel Kaffee vorhanden und der Kaffeepreis sinkt. Bei einer knappen Ernte steigt der Preis. Zusätzlich passieren komplizierte Dinge an der Börse wie z. B. Wetten auf steigende und fallende Preise. Hier verdient sich manch einer eine goldene Nase. Jedoch weiß er nicht, was er damit im Urspung anrichtet. Oder es ist ihm egal. Aktuell sehen wir eine Überproduktion von Kaffee. Deshalb sinkt der Kaffeepreis.

Was beeinflusst den Kaffeepreis?

Da wir nur einen Teil der Ernte bei den Plantagen kaufen, wird der restliche Kaffee an andere Einkäufer verkauft. Das sind in Guatemala zum Beispiel die fliegenden Händler. Sie kennen den aktuellen Weltmarktpreis und bieten den Kaffeebauern sofort Bares auf die Hand. Das ist sehr verlockend. Verständlich, dass die Kaffeeproduzenten dort zuschlagen. Leider können sie mit diesem kurzfristigen Geld nicht langfristig planen. Um in Schulen und sanitäre Einrichtungen zu investieren, brauchen sie stabile Kaffeepreise. Nur so können sie langfristig kalkulieren.

Wir bezahlen den Kaffeebaueren für unseren Kaffee teilweise 40 % mehr als den Weltmarktpreis. Dafür erhalten wir von den Kaffeebauern Rohstoffe in exklusiver Qualität. Zu vielen Bauern haben wir ein persönliches Verhältnis und verfolgen über Jahre hinweg, wie sich die Plantagen entwickeln. Das gibt uns ein schönes Gefühl und wir empfinden den Kaffeepreis somit als fair. Um darüber urteilen zu können, muss man sich allerdings gut in der Kaffeewirtschaft auskennen.

Wie setzt sich der Kaffeepreis zusammen?

Die Kaffeepreise umfassen alle auftretenden Kosten des langen Weges von der Aufzucht bis zur fertigen Tüte. Sie hängen ab von Produktionsart (maschinell oder von Hand), Aufbereitung, Transport, Röstung usw. Für die Kaffeebauern sind ferner die Arbeitskosten und Instandhaltungskosten wichtig. Sie müssen die Plantage am Laufen halten und eine erfolgreiche Ernte gewährleisten.

Wenn der Kaffee bei uns ankommt, ist er roh und nicht verkaufsfähig. Es fallen Kosten für das Rösten und die Verpackung an. Ganz abgesehen von Personal, Marketing und Vertrieb. (Diese Posten versuchen wir so klein wie möglich zu halten, aber ganz ohne Marketing wüssten Sie nichts von unserem guten Kaffee, oder? Nur bei guter Nachfrage können wir viel Kaffee bei den Plantagen einkaufen und somit die Bauern unterstützen.)

Und last, but not least: Wussten Sie, dass jedes Kilogramm Kaffee eine Kaffeesteuer in Höhe von 2,19 Euro kostet? Das bezahlt jede Kaffeerösterei, egal ob klein oder groß. Wenn Sie einen Kaffee für 10 Euro das Kilo kaufen, rechnen Sie sich doch einmal aus, wie viel Geld dann bei den Kaffeebauern ankommt. Möchten Sie lieber einen Kaffee kaufen mit fair gehandelten Preisen? Dann schauen Sie doch gleich mal hier: www.martermuehle.de

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