Kaffee und seine Magenverträglichkeit

Infoblatt 1 - Magenverträglichkeit

Die Magenverträglichkeit von Kaffee ist Gegenstand vieler Untersuchungen, Erfahrungsberichte und Nachfragen von Kunden bei den beliebten Führungen in der Martermühle. Themen wie Sodbrennen, Magengeschwüre bis hin zur Diskussion über ein Krebsrisiko haben dazu beigetragen, dass Kaffee im Zweifel als ungesund galt. Was ist der Kenntnisstand?

Ein Magenkrebsrisiko durch Kaffee ist nicht belegt. Das gilt auch für Kolonkarzinome (Dickdarm). Zum allgemeinen Krebsrisiko durch Kaffee, auch im Zusammenhang mit Acrylamid, wird ein eigenes Papier vorbereitet. Darin wird auch auf die Rolle von Antioxidantien eingegangen, für die ein protektiver Effekt diskutiert wird. Auch ein Zusammenhang zwischen Kaffeetrinken und Magengeschwüren (Ulcus ventriculi) ist nicht belegt. Als wichtigster ulzerogener Faktor gilt heute eine Infektion mit Helicobacter pylori (gramnegatives Bakterium).

Temporäre Reaktionen des Magen-Darm-Trakts können offensichtlich individuell unterschiedlich sein. So kann Kaffee die Darmtätigkeit und Galle anregen und wird in der Früh oder nach einem Essen als wohltuend empfunden. Relevante Inhaltstoffe sind Koffein, Säuren, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Gastroösophagischer Reflux („Sodbrennen“) ist ein Rückfluss von Magenflüssigkeit in die Speiseröhre nach der Einnahme von Speisen und Getränken mit unangenehmem Brennen und Oberbauchschmerzen. Vorliegende Studien lassen eine pauschale Empfehlung auf Kaffeeverzicht auch bei Reflux-Patienten nicht gerechtfertigt erscheinen. Es scheint sich um eine individuelle Reaktion zu handeln, wobei Sodbrennen durch Kaffee verstärkt werden kann wie z. B. auch durch Orangensaft oder Tomatensaft. Bei entkoffeiniertem Kaffee scheint die Wirkung schwächer zu sein.
Diffuse Magenbeschwerden, Magenkontraktionen, ein „flaues Gefühl“ bis hin zu leichter Übelkeit werden nicht so selten bei starkem Kaffee auf nüchternen Magen berichtet und hängen mit Säuren und Reizstoffen im Kaffee zusammen. An den zahlreichen kaffeespezifischen Säuren sind vor allem Chlorogensäuren zu nennen; ihre Gehalte sinken bei der Röstung drastisch ab, wohingegen der Koffeingehalt nur geringfügig abnimmt. Man wird bei Magenempfindlichkeit auf seine verträgliche Kaffeemenge Rücksicht nehmen, notfalls auf Kaffee auch verzichten. Individuelle Reaktionen wie aufgrund empfindlicher Magenschleimhaut wird man unmittelbar zuordnen, z. B. stark gerösteten Kaffee nicht auf leeren Magen trinken, auf den Säuregehalt achten (wobei die Säuren maßgeblich am Geschmack beteiligt sind); man wird auch feststellen, dass Milch oder Kaffeesahne (10% Fett) den Kaffee milder machen. Milch ist aufgrund ihrer Chemie ein Puffer und das Milchfett wirkt für das Koffein resorptionsverzögernd. Aufgrund der protahierten Resorption wird die kurzfristige Wirkung abgeschwächt, hält aber länger an. Kaffeeweißer (Coffee whitener) sind meist Instantprodukte und können sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein (auch laktosefrei!). Jeder wird auch schon registriert haben, dass der Fettgehalt von Milch und Sahne das Gesamtaroma modifizieren, z. B. auch abrunden kann. Entkoffeinerter Kaffee wird von manchem als bekömmlicher empfunden. Übrigens können auch mit Menschen mit Stoma („künstlicher Darmausgang“) nach entsprechender Umstellung Kaffee schonend genießen, wenn ärztlicherseits nichts dagegen spricht. Generell regt Kaffee Magen und Galle an und kann verdauungsfördernd sein.

Unser Thema „Magenverträglichkeit“ zeigt auch, wo die Stärken der Kaffeemanufaktur liegen: So sind unsere Kaffee- und Espressosorten nach „mild“, „mittel“ und „kräftig“ gekennzeichnet und wir weisen auf Sorten mit besonders wenig Säure hin. Das Röstverfahren unserer Manufaktur geht individuell auf die Kaffeebohne ein: Je länger der Kaffee Zeit zum Rösten hat, desto mehr kann er an Säure abbauen und wird auch für Empfindliche bekömmlicher. Viele unserer Kunden berichten, dass sie den Peru-Kaffee für besonders gut verträglich halten: "BIO Kaffee Peru"

Auch die Zubereitung von Kaffee hat Einfluss auf die Magenverträglichkeit. So sollte das Wasser 85-90°C haben, kochendes Wasser löst Bitterstoffe. Das gilt auch für zu langsames Durchlaufen. Die kurze Kontaktzeit ist übrigens auch ein Grund für die Bekömmlichkeit von Espresso.

Fazit:
Generalisierte Bedenken gegen Kaffee in puncto Magen sind nicht begründbar. Ja, es gibt Empfindlichkeiten und Voraussetzungen, denen durch die qualitative Beschaffenheit des Kaffees und das Konsumverhalten entsprochen werden kann. Zu guter Letzt: Kaffee ist ein Genussmittel, er ist kein Durstlöscher.




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Wissenschaftliche Beratung: Univ.-Prof. Dr.rer.nat.  Dr.med.habil. Wolfgang Mücke

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