Es scheint ja immer noch Menschen zu geben, die es "nicht die Bohne" interessiert, woher ihr Kaffee in der Tasse kommt und welche Bedeutung das schwarze Gold in der deutschen Wirtschaft hat.

Seit Ende des 17. Jahrhunderts gibt es Kaffeehäuser in Deutschland und in anderen europäischen Ländern. Ursprünglich galt der Kaffeekonsum als teures Luxusvergnügen für die wohlhabende Bevölkerung. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das schwarze Gold zum Volksgetränk.

Die wirtschaftliche Bedeutsamkeit von Kaffee ist sehr beeindruckend, auch wenn es in Deutschland keine Kaffeeplantagen gibt und wir nicht am Kaffee-Export beteiligt sind. Dennoch wird jedes Jahr in Deutschland mit über 500.000 Tonnen Kaffee gehandelt - ob in Bohnenform, gemahlenem Kaffee, Kapseln oder Pads. Stellen Sie sich diese Menge in einer Transportkapazität von 70.000 Lastwagen vor - die meisten davon werden übrigens in Hamburg verladen.

Hamburg: Der Kaffeehafen für Deutschlands Kaffeemarkt

Der sogenannte "Hamburger Kaffeehafen" ist der größte europäische Hafen für Importkaffee. Von dort wird der deutsche, skandinavische und osteuropäische Markt beliefert. Deutschlands größte Hafenstadt blickt auf eine lange Tradition im Kaffeehandel zurück. Der Kaffeeduft, der durch die Stadt zieht, entweicht den großen Röstereien und gehört für die Hamburger zum Alltag. Fährt man täglich an Hamburgs Speicherstadt vorbei in Richtung Elbbrücken, wundert man sich nicht mehr über den Kaffeegeruch, der sich über die Stadt legt. Hamburg verdient am Kaffeehandel schon seit mehr als 200 Jahren. Einflussreiche und namhafte Familien des Hamburger Geldadels gehören oft zu den alteingesessenen Kaffeeröstern der Stadt.

Die weltweite Bedeutung vom Kaffeemarkt

Die Kaffeepflanze wurde mit Beginn des 18. Jahrhunderts durch die Kolonialmächte in viele Gebiete auf der Welt gebracht und gewann als Importware immer mehr an innenpolitischer Bedeutung. Das schwarze Gold schaffte für viele Menschen Arbeitsplätze im Handel und Verkauf. Auch die Herstellung von Kaffeeröstern und Kaffeemühlen bis hin zum Kaffeegeschirr benötigte Arbeitskräfte. Zudem wurden Zölle für den Export und Import sowie die Kaffeesteuer eingeführt.

In Zahlen:

Kaffee ist der nach Erdöl wichtigste exportierte Rohstoff. Die Kaffeepflanze wird auf geschätzten 10,7 Millionen Hektar angebaut und wächst weltweit in circa 80 Ländern. 16 Milliarden Kaffeebäume werden jährlich abgeerntet und die Rohbohnen in 142 (2015) Millionen Säcken abgefüllt. 50 internationale Reedereien befördern den Rohkaffee auf ungefähr 1.500 Schiffen. Von der Produktion und der Verarbeitung sowie dem Vertrieb leben weltweit geschätzte 25 Millionen Menschen. Der Wert des weltweiten Exports liegt jährlich bei 20 Milliarden US-Dollar.

Der Kaffeemarkt europaweit: Deutschland ist im Mittelfeld

Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen. Trotz eines Pro-Kopf-Verbrauchs von über 6 Kilogramm Kaffeebohnen pro Jahr liegen wir damit europaweit aber nicht an erster Stelle. Die südlichen Länder überbieten locker jährlich mit 7,5 Kilogramm pro Kopf den deutschen Kaffeekonsum. In den skandinavischen Ländern wird der Abstand noch deutlicher: Dänemark verbraucht jährlich 8 Kilogramm Kaffeebohnen pro Kopf, Niederlanden und Schweden sogar 9 Kilogramm.

Auf Platz eins der europäischen Kaffeekonsumenten finden sich unangefochten die Finnen. Sie lassen die anderen Staaten deutlich hinter sich bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von knapp 11 Kilogramm pro Jahr (lt. Statista 2017).

Also doch nur ein Mythos, dass Deutschland der Weltmeister im Kaffeetrinken sei. Treffender wäre wohl: Die Europäer sind Weltmeister im Verbrauch der koffeinhaltigen Arbeiterdroge. Interessanterweise zeigt sich im europäischen Ranking ein Nord-Süd-Gefälle beim Kaffeekonsum: Die Bevölkerung wärmerer Länder trinkt deutlich weniger Kaffeespezialitäten als die Menschen in nördlichen Gefilden. Sogar in der Heimat der größten Kaffeeproduzenten der Erde trifft dies zu. Die schwarze Bohne wird dort bei Weitem weniger konsumiert, als im "kühlen" Europa.

Kaffeemarkt Deutschland: Röstereien und Händler

Deutschlands Kaffeewirtschaft wird maßgeblich von ein paar wenigen Anbietern dominiert. Genau genommen sind es nur sechs große Unternehmen, die sich die circa 85 % des deutschen Marktes teilen. Sie kontrollieren den deutschen Kaffeemarkt und bilden ein Oligopol im Kaffeehandel. In diesen Handelsstrukturen scheinen Preisabsprachen nicht selten zu sein, werden aber regelmäßig vom Bundeskartellamt abgemahnt. Im Konkurrenzkampf um die beste Bohne mit den "Großen" der Kaffeeindustrie punkten die kleineren Röstereien immer mehr. Sie überzeugen mit guter Qualität der Bohnen und fairem Handel mit den Kaffeebauern. Unumstritten ist der kontinuierliche Zuwachs auf dem deutschen Kaffeemarkt: Unser Kaffeekonsum steigt jedes Jahr.

Preisentwicklung auf dem Kaffeemarkt

Durch die ansteigende Nachfrage im Kaffeegeschäft kommt es immer wieder zu Preisschwankungen auf dem Markt. Aber auch ausfallende Ernten, Energiepreisschwankungen und der wechselhafte Dollarkurs haben Einfluss auf den Kaffeepreis. Den kleinsten Anteil vom erwirtschafteten Geld beim Kaffeehandel erhalten die Bauern und Arbeiter.

Im Vergleich: Die Lohnkosten betragen lediglich 5 % des Endpreises. 45 % fallen dagegen auf Zölle, Transportkosten und Steuern. Zweifellos wird viel Geld verdient mit Kaffee, doch wie so oft stehen auch hier Arbeit und Lohn in keinem ausgewogenen Verhältnis. Umso erfreulicher, dass es den Fairtrade-Produzenten seit ein paar Jahren gelingt, den partnerschaftlichen Kaffeehandel zu fördern und zu pflegen. Auch über Deutschlands Grenzen hinaus findet fair gehandelter Kaffee zunehmend überzeugte Anhänger. Die Kaffeerösterei Martermühle www.martermuehle.de geht sogar noch einen Schritt weiter: Sie fördert den direkten Handel, bei dem die Kaffeebauern einen garantierten Abnahmepreis erhalten, der weit über dem Börsenpreis von Kaffee liegt.

Die Kaffee-Vielfalt macht den Preis

Lange Zeit galt Kaffee nur als Mittel zum Zweck. Mittlerweile bestehen viele Kaffeegenießer auf ihre Lieblingsbohne und die Auswahl an Kaffeesorten im Handel gleicht einer Wissenschaft. Die Vielfalt im Kaffeemarkt macht die Musik: Geschmack und Aroma gewinnen zunehmend an Bedeutung und dem Kunden stehen immer mehr Sorten zur Verfügung. Teure und moderne Kapsel-Systeme konkurrieren mit dem klassischen Filterkaffee, der jedoch immer noch den größten Teil des Marktes ausmacht. Gourmet-Kaffees wie Kopi Luwak, Black Ivory oder Kona sowie luxuriöse Kaffeevollautomaten im Preissegment eines Kleinwagens entwickeln sich immer mehr zum Statussymbol.

Fazit: Der Staat trinkt mit

2,19 € verdient der Staat an jedem Kilo Röstkaffee - wussten Sie das? Diese indirekte Bundessteuer bzw. Verbrauchssteuer nennt sich Kaffeesteuer und ist hochoffiziell durch das deutsche Kaffeesteuergesetz geregelt.

So viel steht fest: Der Großverdiener im Kaffeemarkt ist der Bund, denn er verdient doppelt am Kaffee. Über den Preis im Handel berechnet sich die Mehrwertsteuer von 7 %, worin bereits die sogenannte Röststeuer enthalten ist. Für den Staat ein lukrativer Handel: Jährlich kommen so rund eine Milliarde Euro in die Staatskasse.